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Zur Kybernetik des Tennisschlägers

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Die Mehrzahl der hier vorgestellten technisch orientierten Beiträge befasst sich mit den physikalischen Zusammenhängen des Ballschlags.
Die biomechanisch weitergehenden Betrachtungen beziehen die muskuläre Arbeit einschließlich der neuronalen Steuerung ein (Wiemann). 
Hier werden nun kybernetische Aspekte einer optimalen Handhabung des Tennisschlägers gezeigt und am Ende des Berichts einige Kuriositäten.

Tefferkontrolle
Die Zeit ist reif für eine virtuelle Trefferfläche! Mit Aufkommen der Großkopfschläger wurde doch ein neues Dilemma deutlich: einerseits bietet der Großkopfschläger eine größere verwertbare Schlagfläche (Sweet-Spot), andererseits wird dieser Vorteil durch eine schlechtere Rückmeldung über das exakte Treffen wieder zunichte gemacht.

Vor gut 15 Jahren unternahm ich den Versuch, durch analoge Elektronik eine Rückmeldung über das exakte Treffen in einem zentralen Ausschnitt des Sweet-Spots zu generieren. Leider erwies sich der damalige Ansatz, mittels Sensoren an den Schlägerflanken den Treffpunkt zu bestimmen, als (für mich) zu aufwändig. Die Impulsantwort der Sensoren war sehr kompliziert, weil die Stoßwellen mehrere Wege hatten, um zu den Sensoren zu gelangen: schnell über den harten Schlägerrahmen und langsam über das Saitenbett.
In der heutigen Zeit, in der digitale Microchips im Tennisschläger nicht mehr revolutionär sind, wäre es ein leichter, diese Rückmeldung durch Mustererkennung auszuwerten und, etwa akustisch, dem Spieler eine exaktere Trefferkontrolle anzubieten.
Gewollter Effekt: der Spieler justiert seine Auge-Hand-Koordination exakter, so dass der Randbereich des Sweet-Spots nur noch in Ausnahmefällen eingesetzt wird.
Auch eine rein mechanische Lösung ist denkbar. Sie müsste so am Schläger angebracht wird, dass sie nur bei mittigem Treffen einen Ton abgibt, z.B. rappeln/rasseln oder Dergleichen.

Akustische Rückmeldung
Immer wieder wird gefragt, welche Funktion ein Saitendämpfer hat. Die kleinen Gummiteile können den Aufprallschock des Schlägers nicht wirksam bedämpfen. Allerdings haben sie eine deutlich wahrnehmbare akustische Funktion. Insofern gehören sie hier in den Beitrag zur Kybernetik des Tennischlägers. Viele Spieler stört es, wenn die Saite noch lange nach dem Schlag einen Ton abgeht. Außerdem hört der Gegner bei ungedämpfter Saite besser, ob ein Schlag mit viel Spin ausgeführt wurde. Möglicherweise ist er dann frühzeitig – akustisch – gewarnt. Beides sind gute Gründe, sich einen Dämpfer in das Saitenbett zu klemmen. Der akustische Effekt des Dämpfers kann sich sogar psychophysisch auswirken, indem das softere Geräusch eine leichtere Handhabbarkeit des Schlägers suggeriert, siehe hier im gutefrage-Forum.

Kybernetische Lernhilfe der Strokes
Die wii-Konsolen machen es vor. Bewegungen werden erfasst und ausgewertet. Warum mit dieser Technologie nicht Lernhilfen anbieten, die Sofortkontrolle bei der Abweichung der Bewegungsausführung von einem vorgegebenem Pfad gewährleisten?
Mein Wunsch wurde (teilweise) erhört. Die iPhone App „invisible Tennis“ wertet die Bewegungsformen des iPhones, das wie ein Schläger geführt wird aus und quittiert dies durch unterschiedliche „Treffgeräusche“. Was noch fehlt: ein Lernmodus, in dem „korrekte“ bzw. gewünschte Bewegungsstile vom Spieler oder vom Trainer programmiert werden können. Bleibt schließlich noch eine Apparatur zu wünschen, die mit ähnlichem Swingweight, wie ein Schläger, das iPhone arretiert.

Konturierter Schlägergriff.
Die Griffschale als kybernetische ergonomische Mensch-Schläger-Schnittstelle
Die seit vielen Jahren üblichen extremeren Griffhaltungen erfordern ein ständiges Umgreifen. Der Griff muss aber nach dem Umgreifen exakt sitzen und kann nicht durch weitere Schläge nachjustiert werden. Deshalb ist eine exakte Rückmeldung über die Lage des Griffes in der Hand sehr wichtig.

Viele Spitzenspieler benutzen deshalb extrem dünne Griffbänder, um die Lage des Griffes anhand der Kanten besser fühlen zu können. Leider liefern manche Schlägerhersteller ihre Schläger aber mit zu stark verrundeten Griffschalen aus. Selbst wenn man das Griffband durch Overgrip ersetzt, sind diese Griffe noch zu wenig konturiert.
Wer erst mal mit schärferen Kanten gespielt hat, empfindet diese Verrundung als unscharfe (taktile) Wahrnehmung. Es wird vom Gehirn ein Gefühl zurückgegeben, das dem beim Blick durch eine Milchglasscheibe entspricht.
Deshalb sollten die Hersteller auswechselbare Griffschalen mit schärferer Konturierung anbieten.
Es gibt allerdings auch Unternehmen, die dies für Schläger umrüsten, siehe hier…

Kraftübertragung
Des Weiteren gibt es ergonomisch „angepasste“ Griffformen, die allerdings weniger auf die informatorische Ebene als die reine Kraftübertragung abzielen. Ob diese bei Griffwechsel optimal sind, kann ich nicht beurteilen, ich habe eher Zweifel.

 

Auch in Kategorie „Kraftübertragung“, fällt ein Schläger mit zwei Griffen. Das YouTube-Video, das einen Aufschlag zeigte, war besonders putzig, weil Battistione nach dem Ballwurf sofort an den zweiten Schlägergriff muss. (leider nicht mehr verfügbar).

 siehe dieses Bilder
Service mit Handwechsel, Schläger
mit zwei Griffen, hoch eingesprungen ATP-Spieler, Clip siehe hier: Battistone`s

Siehe hierzu auch einen aktuellen Bericht in Eurosport hier…

Peitschenschläger
Und hier sei noch eine kleine Kuriosität vorgestellt – die Vorhandpeitsche weitergedacht, hat Prof. Don R. Mueller, ein Schläger der selbst als Peitsche ausgebildet ist. Zum Selbstbau nach YouTube-Anleitung, auf das Bild klicken.
Beim Volley gibt es eventuell Problem, mit dem schlabbernden Teil, könnte ich mir vorstellen..

 

 

© Dr. Holger Hillmer

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