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Tenniswissen | Tennisanalysen

Wie wirken sich verschiedene Ballsorten aus?

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Auf dem Sektor Tennisbälle hat sich in den letzten Jahren viel getan. Früher waren die Bälle weiß. Sie wurden in Kartons angeliefert und wenn sie eine Weile im Geschäft liegen blieben, waren sie recht schlaff. Das langsamere Spiel der frühen Jahre dürfte, neben der Umstellung der Schlagstile, in erster Linie auf die Entwicklung der Balltechnologie zurückgehen, denn hier wurde erheblich Schlagenergie „verbraten“. Die damaligen Holzschläger, die dafür oft angeführt werden, sind viel weniger Schuld. Denn nur ein wesentlich geringerer Energieverlust resultiert aus dem Schlägermaterial!

Bälle kommen heute aus einer Dose mit Überdruck, die verhindert, dass die Sauerstoff- und Stickstoffmoleküle durch das Ballmaterial entweichen. Diesen Effekt kennen wir vom Autoreifen, der ab und an aufgepumpt werden muss, weshalb man man größere Stickstoffmoleküle zum Aufpumpen anbietet.

Auch für Tennisbälle gibt es Pumpen, um den Ball wieder „frisch“ zu machen. Heute „altern“ Bälle eigentlich eher durch die Abnutzung des Filzmantels.
Im Spitzensport werden Bälle daher während eines Matches ausgetauscht. Auch wenn Gewicht und Sprunghöhe eines Tennisballes innerhalb geringer Toleranzen genormt sind, kann es erhebliche Unterschiede in den Spieleigenschaften noch immer geben.

Die Tennisregeln der Internationale Tennis Federation (ITF) schreiben vor:

  • Die äußere Hülle des Balles muss gleichförmig und nahtlos, seine Farbe weiß oder gelb sein.
  • Der Ball muss diesen Anforderungen entsprechen und eine Masse von mehr als 56 Gramm und weniger als 60 Gramm aufweisen
  • Der Durchmesser beträgt mindestens 6,35 cm und höchstens 6,67cm.
  • jeder Ball muss eine Sprunghöhe von mehr als 134,62 cm und weniger als 147,32 cm aufweisen, wenn er aus einer Höhe von 254 cm auf eine ebene, harte Fläche, z. B. Beton, fallen gelassen wird.

Dann folgen noch Regeln zu Ballarten auf verschiedenen Platzarten.

Es gibt grundsätzlich zwei verschiedene Arten von Tennisbällen: Druckbälle und drucklose Bälle. Der Profisport benutzt ausschließlich Druckbälle, da die drucklosen schon nach wenigen Spielen ihre Eigenschaften ändern. Im Hobbybereich ist das aber zu vernachlässigen und man nimmt sie, um auch nach langer Nutzung keine weichen Bälle zu haben.
Insbesondere die drucklosen Bälle, also Bälle, die ihre Sprungkraft nicht durch den inneren Luftdruck, sondern durch einen dickeren Gummimantel erhalten, benehmen sich gegenüber Topspin und Slice ungewohnt. Bei ihnen ist das Trägheitsmoment geringer, weil die Masse sich weiter nach innen verteilt. Das ist der Unterschied von einer Balletttänzerin, die die Arme an den Körper angewinkelt hat, im Vergleich zu der, die die Arme ausbreitet.

Wird der drucklose Ball mit einer bestimmten Anfangsrotation versehen, nimmt diese durch die Luftreibung schneller ab, da bei ihm der Anfangsrotation eine geringere Rotationsenergie entspricht, als beim luftgefüllten Ball.

Die drucklosen Bälle fühlen sich bei leichtem Schläger meistens etwas schwergewichtiger an. Siehe hier die komplizierte Physik der Mehrkörpersysteme, die im Feinbereich das Zusammenspiel im elastischen Stoß beschreiben.

Aber auch die normalen Bälle mit Innendruck unterscheiden sich z.T. beträchtlich. In Kaufhäusern erhält man Bälle zu einem Drittel des Preises der vom Tennisverband jeweils empfohlenen Markenbälle. Die Spieleigenschaften sind dann aber nicht genormt und im Turnier erlebt man dann mit den „richtigen“ Bällen manch eine Überraschung. Außerdem haben nicht alle Bälle die gleich dicke Filzschicht. Billige Bälle sind manchmal schnell glatt gespielt, vor allem, wenn Saiten mit mehreckigem Querschnitt im Einsatz sind. Manche Hersteller meinen es mit dem Filz aber etwas zu gut. Die Bälle fühlen sich durch den dicken Filz am Schläger schwer an.

Allerdings sind billige neue Bälle alten abgespielten Turnierbällen vorzuziehen. Einige Spieler, insbesondere die Meister des Stopps, lieben Bälle, die sie unbenutzt ein Jahr liegen gelassen haben: mit viel Filz, sehen sie aus wie neu, haben aber kaum noch Druck. Sie bleiben garantiert nach einem Stoppball regungslos auf dem Boden liegen.

Nicht zu vergessen gibt es für Kinder noch Methodikbälle, die nicht so hoch abspringen – die Kinder sind ja noch kleiner – und deshalb einfacher zu handhaben sind. Diese Methodikbälle gibt es in verschiedenen Stufen. Auch Play&Stay empfiehlt zu Beginn derartige Bälle einzusetzen.

Spielen bei Feuchtigkeit
Auch bei leichtem Nieselregen wird meistens weiter gespielt. Dann werden die Bälle schwer und verändern ihre Eigenschaften ganz erheblich. Dann lohnt es sich, Bälle in Reserve zu haben, deren Filz schon abgewetzt ist.
Will man bei Regen an der Tenniswand trainieren, empfehlen sich Methodik- oder sogar Softbälle.

 

© Dr. Holger Hillmer

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