Tennisfragen

Tenniswissen | Tennisanalysen

Wie lernt mein Kind am besten?

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Eltern wollen für ihr Kind nur das Beste. Aber wie erkennt man, welcher Trainer oder welche Tennisschule für das Kind geeignet ist?

Ein wenig hängt es davon ab, was man sich für das Kind vorgenommen hat. Soll es sich einfach nur bewegen, Kämpfen lernen oder stilistisch einwandfreies Tennis spielen?

Zu Beginn  zeigen wir gleich die bezaubernden Übungsanregung für die Kleinen und Ganzkleinen, die auch von Eltern organisiert werden können.

 Übungen zum Einstieg
Die ganz Kleinen werden zuerst einfache Wurf- und Fangübungen machen. Dazu Gleichgewichtstraining.
Beispielsweise auf einem kleinen Podest stehend leichte bunte Bälle werfen und fangen, in einen Eimer werfen; mit einem kleinen Eimer fangen.
Gemäß der Initiative des Internationalen Tennisverbands Play & Stay geht es dann weiter mit Kleinfeldtennis und Methodikbällen, die je nach Alters- und Könnensstufen von ganz weich zu normal hart gestaffelt sind.

Übungen ohne Schläger (eigentlich für Volleyball gedacht)

 

Hier sind anregende Übungen gezeigt

Sehr schöne Fangübungen zum Warm up

 

Quick Start Tennis hat für alle Altersgruppen solche YouTube Clips gemacht

Für 9 bis 10 – jährige zum Beispiel diesen hier

Inchworm; für die folgenden Übungen muss man wohl nicht Trainer sein

Froschsprung

Flamingo und Elefant

Für taktische Übungen, auch mit einer Beispielssammlung, siehe unseren Beitrag Wettkampflernen + Taktik

Grundsätzliche Hinweise

Trainerwahl
So unterschiedlich die Schwerpunkte gelegt werden, so verschieden fallen auch die Antworten aus.
In Deutschland sind die Trainer in der Regel vom VDT und DVT lizensiert,  C-, B-, und A-Trainer.
Dann gibt es noch Trainer, die ein Sportstudium an einer Fachhochschule oder einer Universität absolviert haben.

Teuer ist nicht immer besser
Grundsätzlich muss ein C-Trainer für das Kind nicht schlechter sein, als ein A-Trainer. Aber meistens ist der A-Trainer teurer, und hat  in der Regel auch einen höheren Anspruch an sich und seine Schüler. Wer die Kinder aber nur beaufsichtigt und unbeschwert rumtollen lassen will, ist mit einem Trainer mit A-Lizenz nicht unbedingt am besten bedient. Die obigen Trainingsbeispiele sollte Ihre Tennisschule oder Ihr Trainer im Grunde auch „drauf haben“. Vielleicht können Sie sich das Training vorher mal anschauen.

Wenn sich dann allerdings weiter reichender Ehrgeiz entwickelt, ist es später oft schwierig, an den einmal eingeschliffenen Grundschlägen zu feilen. Deshalb kann es von Vorteil sein, von Anfang an auf gewisse Grundschemata der Schlagbewegungen zu achten, zumindest, wenn das Kind bereits so weit ist, sich auf derartige Aufgaben zu konzentrieren. Das letzte oben gezeigte Filmbeispiel zeigt die große Spannweite der ersten Schlagbewegungen. Nach unserem Geschmack könnten auch diese Kinder schon Schlagbewegungen lernen, die den Spitzenspielern ähnlich sind. Einige Kinder dort zeigen, dass es möglich ist (siehe unsere Beiträge zur Vorhand, Rückhand).

Anspruch und Zeitbudget
All dies sollten Sie zu Beginn des Trainings mit dem Trainer abstimmen. Sagen Sie ihm, wieviel sie in die Tennisausbildung investieren wollen, z.B. wieviel Stunden Tennis in der Woche als angemessen gesehen werden.

Ein guter Tennisspieler, der in einer mittleren Bezirksklasse der Herren spielen will, muss, eine grobe Orientierung,  in der Jugend mindestens 4 Stunden pro Woche auf dem Platz stehen. Einen genauen Überblick zeigt unser Beitrag „Mein Kind spielt Turniere“ .  Aus der Sicht vieler Eltern wäre dies ein zu großes Zeitbudget, das mit anderen Vorhaben im schulischen oder künstlerrischen Bereich kollidiert. Dies ist vorher zu bedenken und zu klären.

Tennis als Kulturtechnik
Und es soll hier nicht verschwiegen werden, dass das Kind später, als  erwachsener Tennisspieler, nicht allein nach seiner Spielstärke eingeschätzt wird, sondern auch entsprechend seiner Technik und Körpersprache, nämlich, ob diese kontrolliert, sauber, altmodisch oder gemäßigt modern ist. All das geht in das Image, das er im Club aufgrund seines Tennisspiels zugesprochen bekommt, mit ein. Insofern steht gutes Tennis auch im Range einer Kulturtechnik, ähnlich wie gepflegte Sprachkompetenz in Wort und Schrift.

Trainerkommunikation für`s  Tennislernen

Vormachen und Nachahmen extrem wichtig
Das Vormachen ist eigentlich der Königsweg. Kinder lernen zu 80% durch Nachahmung, bei Erwachsenen sind es.immer noch 30%. Doch beim Zuspielen der Bälle aus dem Korb wie bei fast allen Clubtrainern zu beobachten ist, kann man  leider nicht viel Vorbildliches abschauen.

Verbale Anweisungen müssen gut sein
Außerdem muss der Trainer gelegentlich  Korrekturen vornehmen. Dabei kommt er um Anweisungen und verbale Hilfestellungen nicht herum. Diese müssen laut und deutlich sein, aber motivierend und nicht aggressiv.

Sprache soll Kommunikation ermöglichen und Sprache organisiert weitgehend unser Denken; aber Bewegungen zu beschreiben, ist  nicht so einfach. Man muss sich dabei auf  Bewegungsvorstellungen des Schülers beziehen, die jedoch nicht bei jedem Spieler in gleicher Weise vorausgesetzt werden können.

Das können schon Einzelbegriffe sein, wie Prellen, Loading, Peitschen oder um das Anknüpfen an eher ganze „Bewegungsmodule“ aus anderen Sportarten, z.B.

    • …“Werfen wie der Pitcher“ als Hilfe für den, der den Aufschlag trainiert. Meist haben aber gerade diejenigen Probleme beim Aufschlag, die gerade so nicht werfen können. Und außerdem gibt es aus der Trainercommunity schärfsten Widerspruch, wenn der Service mit dem Werfen verglichen wird. Zu Vieles ist eben verschieden, bei beiden Bewegungen. Diese Art Anweisung arbeitet mit Begriffen, die ganzheitlich an vorhandene Erfahrungen des Schülers anknüpfen sollen, nämlich  mit Metaphern, siehe weiter unten.
    • Ein anderes Beispiel, diesmal aus der Schublade „Schritt für Schritt Anweisung“:
      Beliebter Trainerspruch zum Aufschlag ist die Anweisung „…sich mit dem Schläger am Rücken kratzen!“, das ist natürlich falsch, so vielleicht auch  nicht gemeint, geht jedoch oft „nach hinten los“, denn der Schläger muss hinter dem Rücken frei schwingen können – in einer ziemlich komplizierten zusammengesetzten Bewegung aus Körperdrehung und Schulter/Arm – Aktion.
      Gerade gewissenhafte Schüler, die die Traineranweisungen ernst nehmen, bekommen dann Probleme:  im Forum sportlerfrage.net fragt ein verzweifelter Forist, wie er vermeiden könne, dass der Schlägerkopf gegen seinen Rücken schlägt.
    • Ein weitere, gut gemeinte aber falsche Traineranweisung, eher aus der Kategorie Schritt für Schritt: 
      Wer hat nicht schon den Ruf „früher Ausholen“ über den Platz schallen hören. Es sei mal dahingestellt, ob man das als Trainer überhaupt fordern soll oder dies nicht besser der Selbstorganisation des Schülers überlassen bleibt, das richtige Timing zu entwickeln.
      Ganz sicher darf es aber nicht passieren, dass der Spieler in der Folge nun mit weit nach hinten gestrecktem Arm dem Ball entgegen rennt. Eigentlich muss es bestenfalls heißen:“ früher die Vorbereitungsstellung einnehmen“ oder „Unit turn“, die zweite Phase der Vorhand im Filmcliparchiv der USTA, (z.B. Forehand Hantuchova). Im Englischen heißt es übrigens „racket back“ , dazu schreibt ein US-Trainer:  „One tennis myth started with the first instruction in this joke — „Racket back,“ which… has caused numerous stroke limitations in literally millions of tennis players“. Dem ist kaum etwas hinzuzufügen!

Etwas Sportdidaktik: Metaphern und Schritt-für-Schritt Bewegungsinstruktionen
Nele Thielemann unterscheidet (in seiner Dissertation zum  motorischen Lernen mittels Instruktionen) zwischen Analogieinstruktionen einerseits und Schritt für Schritt Bewegungsregeln, andererseits.
Erstere, die implizites Lernen unterstützen, bauen auf Metaphern auf. „…Bildliche Vorstellungen im Sinne von Analogien gehören zum Alltag sportlicher Anleitung zur Maximierung der Leistungsfähigkeit“   „Ganz allgemein kann man Metaphern als eine verbale Äußerung auffassen, bei der eine bildhafte Übertragung von einem Bedeutungszusammenhang zu einem anderen nahegelegt wird. Damit soll beim Lernenden eine bildhafte Vorstellung der Bewegung evoziert werden, die dann als Vorlage für eine andersartige Bewegungsausführung dienen kann“ (Hänsel, 2003, S. 273, zit. nach Thielemann, S. 7) Thielemann schätzt den Stellenwert der auf Metaphern aufbauenden Instruktionen für das motorische Lernen sehr hoch ein.

Leider hat jeder schon mal die Erfahrung gemacht, dass derartige Metaphern, oft als Trainingskniffe bezeichnet,  je nach Zielperson die unterschiedlichsten Ergebnisse produzieren. Hier zeigt sich dann das Einfühlungsvermögen eines guten Trainers, das sofort zu erkennen und zu korrigieren. Training soll ja immer ein iterativer Prozess sein. Leider gibt es jedoch Trainer, die nicht erkennen, wenn sie nicht oder falsch verstanden werden – von den mundfaulen mal ganz abgesehen. Aber das ist ein  anderes Thema.

Deshalb sollten die Tennisschüler im Verdachtsfall lieber ein mal mehr nachfragen, als zu wenig, wenn eine Ansage des Trainers unplausibel erscheint. Die Trainer werden sich bei mir bedanken – werden sie?

Auf welchem Weg man am erfolgreichsten und am schnellsten zum Tennis geführt wird, ist in der Trainingslehre keineswegs entschieden. Vielfach wird heute der frühe Einstieg in das Wettkampflernen proklamiert. Die Aktion Play&Stay des Deutschen Tennisbundes geht in diese Richtung, um möglichst Viele Kinder für Tennis zu begeistern. Dazu werden die Regeln geändert, kleinere Plätze und weichere Bälle eingesetzt. Dies ist für die ganz Kleinen (drei bis 6 Jahre) ohnehin zu empfehlen.

Lernen mit Videohilfe
Ganzheitliches Lernen von Bewegungen kann aber auch mit Videos unterstützt werden. Jeder kennt den Effekt, dass nach einer spannenden Fernsehübertragung und spaßiger Identifikation mit dem Tennishelden „ich bin Djokovic“, alles viel besser klappt. Siehe hierzu auch den Beitrag Vorbilder und Idole, und „Mit Videos von den Großen“ lernen.

 

 

 

© Dr. Holger Hillmer

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