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Wie bekomme ich mehr Taktikkompetenz im Tennis?

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Gastbeitrag von Andeas Ehstand
siehe neue Kommentare, weiter unten

Es gibt im Tennisbereich eine Vielzahl von Veröffentlichungen im Bereich der Tennistaktik. Deutlich wird mittlerweile, dass die Nähe zum Tennismatch ein nie zu unterschätzender Einflussfaktor ist (siehe auch unseren Beitrag von Jan Hasper). Im Folgenden wird dargestellt, wie im Breitensport anhand von reinem Matchtraining mit Zusatzaufgaben vor allem taktische Elemente natürlich und unkompliziert in das eigene Spiel integriert werden könnten. Dieser Artikel zeigt ein sehr gut funktionierendes Beispiel aus der Praxis, mit dem die Zeit auf dem Court sinnvoll genutzt werden kann.

Vorüberlegungen

Die Matchnähe ist mittlerweile sowohl bei den führenden deutschen Tennisautoren als auch im weltweiten Diskurs immer wieder das Thema in der Tennisliteratur. Dass Matchnähe gerade im Training wichtig ist, lassen viele Gründe als logisch erscheinen:

Einige davon werden nun aufgezählt:

Gewöhnung an …

  1. das Zählsystem
  2. den psychischen Druck
  3. die Zuschauer
  4. alle möglichen Gegneraktionen
  5. normale Ballwechsel mit allen Variationen
  6. Zufallsbälle
  7. Pech und Glück
  8. Umgang mit eigener und fremder Taktik
  9. Umgang mit eigener und fremder Technik im Matchzusammenhang …
  10. und zu verschiedenen Zeitpunkten im Match

All diese Punkte und die inhärente Logik und Überzeugungskraft dessen, dass dies auch im Training geübt werden muss, lassen kaum mehr Diskussionen zu, dass Matchtraining unbedingt nötig ist. Diskutiert wird allenfalls, wann und wieviel das notwendig ist. In diesem Beitrag wird sich darauf beschränkt, wie Matchtraining und damit zusammenhängend minimalistische Trainingsplanung und -steuerung im Breitensport aussehen könnte, ohne das wirklich nennenswerter zeitlicher Zusatzaufwand zu verzeichnen ist. Gesteuertes Matchtraining ist in Kombination immer auch taktisches, psychologisches und technisches Training.

Es gibt diverse Vorteile, wenn Sie zumindest in einzelnen Zyklen Ihr Training so gestalten, wie ich es nachfolgend darstelle. Dazu benötigen Sie jedoch Grundlagen der Technik und Sie sollten Ihre Technik bereits im Match variabel anwenden können. Vorher macht es keinen Sinn, so ein Training ohne professionellen Trainer durchzuführen. Empfehlenswert wäre, neben dem dargestellten Training immer eine Stunde in der Woche Training bei einem guten (!) Tennistrainer zu nehmen, der parallel vor allem die technischen Aspekte und die Gesamtplanung im Auge behält.

Gründe, wieso Matchtraining mit Zusatzaufgaben häufig mehr Sinn macht als alles andere:

  • Korbtraining (Zuspiel vom Trainer aus dem Korb oder Eimer) wird mit gutem Grund außer im Technikerwerbstraining nicht mehr empfohlen, da jegliche Matchnähe fehlt: Der Gegner reagiert nicht, man reagiert nicht auf den Gegner, der Ball kommt immer gleich, der Ball kommt unrealistisch, er kommt zu konstant uvm.
  • Fließende Ballwechsel machen hingegen schon wesentlich mehr Sinn, denn sie simulieren immerhin ein ,,Rückschlagspiel“. Im Rythmus- oder zu Beginn des Technikanwendungstraining haben diese Übungsformen natürlich ihre Berechtigung. Ebenso beim Einschlagen, zum Konditions- und Koordinationstraining.

Auch hier fehlt jedoch ein Großteil der matchspezifischen Inhalte, von denen einige zu Beginn genannt wurden. ,,Matchhärte“ kann nur im Match trainiert werden, und zwar dann, wenn der Erfolgsdruck (oder schlechterenfalls der Misserfolgsvermeidungsdruck) so hoch ist, dass man das Match absolut ernst nimmt. Trainingsmatches im hier gemeinten Sinn sind keine lockeren Trainingsmatches, wie es der allgemeine Sprachgebrauch immer wieder vermuten lässt, sondern psychisch anstrengende und absolut fordende Stunden, nach denen man beim anschließenden Bier auf der Clubterrasse auch mindestens 30 Minuten zur Erholung brauchen sollte.

In den Darstellungen bezeichnet das Wort ,,ich“ immer einen Tennisspieler, der sein Training so plant und durchführt.

Wie kann eigentlich matchorientiertes Training im Breitensport aussehen, an dem ich Freude habe? 

Viele Sportler fragen sich, wieso das häufige Technik- und Matchtraining auch nach langen Jahren nicht den erwünschten Erfolg bringt.

Wie man es besser machen kann, wird hier entwickelt. Basis sind Grundsätze der Sportdidaktik und eigene Erfahrungen. Kommentare hierzu sind ausdrücklich erwünscht. Dieser Beitrag stellt eine der vielen sicherlich funktionierenden Möglichkeiten dar, wie taktische Entscheidungen (mit Fokus auf dem Sammeln von Erfahrungen) so im Training getroffen werden können, dass sich der Sportler  auf möglichst angenehmen Weg mit der eigenen Trainingsplanung beschäftigt. In den kommenden Wochen folgen noch einige Trainingsbeispiele, die die Grundidee verdeutlichen.

Grundvoraussetzung: Trainingsumfang

Ich trainiere mindestens zweimal wöchentlich eine Stunde Tennis (Netto-Schlagzeit), in der Saison sind das inklusive Medenspiel also 3 Tage Tennis in der Woche.

Was ist ein – für diese Trainingsart – kompletter Spieler?

Die Schlagtechnik ist variabel wenigstens in Grundlagen vorhanden. Das heißt, bei allen Schlägen (Vorhand, Rückhand, Volley, Stop, Lob, Schmetterball, Aufschlag) ist mindestens eine Variationsmöglichkeit vorhanden: z.b. entweder Drive und Slice, Drive und Topspin oder (selten, aber bestenfalls) Drive, Slice und Topspin bei allen Schlägen.

Mindestens der Drive- oder Topspin-Schlag ist sicher und auch im Lauf auf dem Platz verlässlich. Es gibt also einen Grundschlag, der eine Basis für die Sicherheit auch unter Druck bildet.

An jeder Stelle auf dem Platz bzw. in den meisten Spielsituationen gibt es einen Schlag, der genau in dieser Situation bereits eingeschliffen ist und der nicht unbedingt mit dem o.g. Sicherheitsschlag (z.B. Vorhand- und Rückhand-Topspin) übereinstimmen muss.

Beispiel:

Ich weiß, dass ich bei einem Angriffsball des Gegners mit starkem Winkel auf meine Vorhandseite immer mit einem relativ platzierten oder wenigstens sehr hohen Vorhand-Slice antworten kann.

Vorgehensweise

Um wie nachfolgend dargestellt vorzugehen, sollten einigen Dinge berücksichtigt werden; die wichtigste Grundlage ist jedoch, dass ich bereit bin, auch in Übungsmatches auf dem Platz kleine Zusatzregeln zu akzeptieren, die auf meine Schwächen abgestimmt sind.

Da in der  Technik häufig schon Sicherheit herrscht, kann sich der Breitensportler jetzt darauf konzentrieren, diese Technik im Trainingsmatch (ohne Trainer) anzuwenden.

Trainingspartner

Neben den oben genannten individuellen Voraussetzungen sind noch wenige andere Dinge erforderlich:

Man benötigt mindestens einen Partner, der bereit ist, Zusatzaufgaben im Match mitzuspielen.

Der Partner muss fähig sein, einfach Platzierungsaufgaben im Match zu bewältigen.

Der Partner sollte bestenfalls besser, die Schlagqualität in der Summe aller Schläge mindestens ebenso gut wie die eigene sein.

Beide Partner haben die Geduld und Disziplin, immer eine Schwäche zu verbessern, was schwerer ist als gedacht. Denn man wird natürlich anfangs mehr Punkte verlieren als im normalen Match.

Hat man die zugegebenermaßen wenigen, aber doch schon fordernden Voraussetzungen alle erfüllt, ist es möglich, sinnvolles matchorientiertes Training OHNE Trainer zu gestalten!

Wie lange muss man das Training ansetzen?

Das ist relativ variabel und auch nicht von entscheidender Bedeutung, da im Breitensport normalerweise keine zyklische Trainingsplanung besteht. Würde man beispielsweise 2 Monate lang einen derartigen Trainingszyklus starten wollen, könnte man folgendermaßen beginnen:

Tag 1: Normales Match mit dem Partner

Ich spiele mit meinem Partner ein völlig normales Match, bis einer von uns gewonnen hat.

Nun notiere ich mit meinem Partner gemeinsam (z.B. bei einem natürlich alkoholfreien Bierchen nach dem Training) einen einzigen Punkt, der mir an meinem und am Spiel des anderen aufgefallen ist. Diese Liste könnte dann folgendermaßen aussehen:

Holger:

– …hat Andy den Aufschlag zu viel auf die Vorhand gespielt.

– …rückt zu langsam ans Netz vor.

Andy:

– …bemerkt, dass seine Rückhand häufig zu kurz oder mit zu wenig Variation kommt.

– hört von Holger, dass er sich sehr leicht auf sein Spiel einstellen konnte.

Nun wissen wir also jeweils 2 Schwächen. Dies macht Sinn, denn so ist die Gefahr der Blindheit bezüglich des eigenen Spiels gleich ausgeschaltet. Ich muss den Vorschlag meines Gegenübers akzeptieren, denn er hat ganz bestimmt Recht – auch wenn ich selbst der Meinung bin, das wäre nicht so! Das bedeutet, wir haben „Futter“ für 2-4 neue Trainingseinheiten.

Tag 2: Nun die Überlegungen für die nächste Trainingseinheit bei Holger:

Ich will matchorientiert trainieren, weil ich weiß, dass dies die wirksamste Methode im Tennis ist. Denn gewinnen kann ich nur, wenn ich möglichst gut Matches spiele. Ich weiß nun zwei von sicherlich vielen noch nicht ganz perfekten Punkten, die auf mein Spiel zutreffen.

Also greife ich mir für ein Training genau einen der beiden obigen Punkte heraus, um mein nächstes Trainingsmatch zu spielen.


Im kommenden Matchtraining spiele ich ein -fast- komplett freies Match, allerdings ziehe ich vorher mit dem Fuß eine Linie in jedem Aufschlagfeld, so dass das Aufschlagfeld nochmals in Vorhand- und Rückhandseite geteilt wird. Wir agieren also aufgrund einer von uns gefundenen Schwäche oder aber unter taktischen Gesichtspunkten, weil ich weiß, dass Platzierung beim Aufschlag auf die schlechtere Schlagseite mein eigenes Spiel stärkt und möglicherweise die Vorhandpeitsche des Gegners ausschaltet.

Diese Linie durch das Aufschlagfeld kann ich in der Mitte ziehen, muss ich aber nicht. Denn vielleicht bin ich schon besser, dann sollte ich nur in ein Drittel auf der Rückhandseite des Aufschlagfeldes spielen. Oder ich bin nicht so gut, dann habe ich zwei Drittel. Oder ich halbiere es einfach.

Nun spiele ich genauso wie im Training zuvor ein Match, das sehr viel Spaß macht, aber einen großen Trainingseffekt hat: Spiele ich nicht auf die Rückhandseite im Aufschlagfeld, ist der Ball aus. Ist mir das zu schwer oder zu einfach, ziehe ich einfach die Linie (mit dem Fuß oder Markierungen) anders.

Sollte nun Andy die Fertigkeit haben, jede Rückhand zu umlaufen und trotzdem zu peitschen, wird ihm das einfach verboten. Das hat den Vorteil, dass er seinen eigenen Rückhand-Return schult. Nach und nach kann dies dann aufgelöst werden. Holger muss nun seine Bälle so platzieren, dass Andy nicht mehr umlaufen kann. Dies ist entweder durch mehr Tempo, mehr Spin oder mehr Winkel in das kleinere Aufschlagfeld möglich.

Sollten Andy und Holger 2 Sätze und eventuell einen Matchtiebreak spielen, weil sie wissen, sie müssen das im Match auch tun, kann man z.B. im ersten Satz die Aufgabe für Holger machen, im Zweiten Fall die Aufgabe für Andy. Oder man wechselt jedes Aufschlagspiel. Oder man wechselt alle 15 Minuten. Oder man wechselt gar nicht und spielt nochmal uvm.

Wird mir das doch irgendwann zu langweilig, kann ich es variieren: Ich platziere nur beim ersten Aufschlag so; ich sage die Platzierung an; ich spiele jeden ersten Aufschlag mit Slice; jeden zweiten Aufschlag mit Drive; ich überlege, wie ich den zweiten Schlag nach dem Aufschlag platziere uvm.

Zusammenfassend lässt sich für diese exemplarische Trainingseinheit also festhalten:

Finden einer taktischen Variante – Regelanpassung – Durchführung im Match – Regelanpassung (schwerere oder leichtere Durchführung) – Duchführung im Match – automatisiertes kurzes Nachdenken über das Match nach der Trainingsdurchführung

Eine Trainingseinheit könnte zeitlich so gegliedert sein:

0 – 10 min:  Einlaufen und Gymnastik (nicht unbedingt notwendig)

10 – 25 min: lockeres Einschlagen möglichst aller Schläge

25 – 30 min: nochmaliges Ansagen der taktischen Variante und möglicherweise Anpassung des Spielfeldes oder Einigung auf Verhalten der   beiden Gegner im Match

30-90 min: Matchtraining mit normalen Pausen beim Seitenwechsel  –> immer 2 Sätze und Matchtiebreak (bzw. z.B. in NRW: 3 Sätze im Aktivenbereich)

90-95 min: Ausschlagen

95-100 min: Abziehen

100-120 min: Clubterrasse, Reflexion und nächste Einheit

120-180 min: Clubterrasse 🙂


Dieses Vorgehen hat mehrere Vorteile:

  • Man spielt die ganze Zeit Match und lernt dauernd weitere Matchsituationen kennen!
  • Man überfordert durch eine einzige Aufgabe keinesfalls und limitiert so nicht den Lerneffekt durch Überforderung.
  • Man ändern seine technischen, taktischen oder psychologischen Schwächen im absolut direkten Matchzusammenhang.
  • Dieses Vorgehen ist auf jede Schwäche (außer teils auf Technikgrundlagen) übertragbar.
  • Habe ich keine Lust mehr, spiele ich das Match normal weiter.
  • Mir macht das Training normalerweise Spaß, weil mir ein Tennismatch immer Spaß macht.
  • Die Spielform ist sehr natürlich und einfach.
  • Das Ganze ist günstig.
  • Es muss mir nicht peinlich sein, dass ich trainiere, einen Trainingsplan habe und den auch noch an das Training angepasst steuere – und das auch noch ohne Trainer! Denn das merkt eh keiner, wir spielen ja immer nur eine kleine Zusatzaufgabe! Ich brauche dazu weder Laptop, Kamera noch einen ausgedruckten Trainingsplan. Gerade im Seniorensport soll es sonst ja durchaus zu einigen seltsamen Kommentaren kommen.

Das Vorgehen ist übertragbar auf folgende Inhalte:

  • Sicherheitsspiel (das typische ,,erst fünfmal über’s Netz, dann ist der Ball frei“)
  • Balllänge (Felder ziehen)
  • Spinvarianten (nur Topspin, nur Slice, abwechselnd)
  • Schlaghärte
  • Platzierung (Felder ziehen)
  • Kombinationen aus den oben genannten Punkten
  • eigene Variationen (,,Jetzt überrasche ich ihn einmal und spiele nur noch Slice!“
  • Psychotricks (Saiten richten…)
  • psychologisches Training (Wir starten immer bei 30:30 und spielen dafür 4 Sätze, wir starten immer bei 1:4 uvm.)
  • taktisches Training (z.B. Einstudieren von Spielzügen: Immer wenn der Ball ins Halbfeld kommt, platziere ich auf die Rückhand und rücke schnell mit Split-Step vor. Dabei wähle ich je nach Erfolg des Angriffsschlags, ob ich meine Rückhandseite am Netz ,,dicht“ mache, in der Mitte bleibe oder die Vorhandseite dicht mache o.A.) –> Folglich ist hier jeden Entscheidung gemeint, die sich damit befasst, wie ich bestenfalls den Punkt mache.
  • Reaktives Training: Spielt der kurz, spiele ich kürzer; spielt der Slice, spiele ich ,,slicer“ z.B.: er haut mir immer meine zu kurzen Bälle um die Ohren –> ich bringe anderen Spin in meine Bälle, ich spiele nur noch hoch, gehe ans Netz, spiele nur noch auf seine schwache Seite usw.
  • Konditionelle und koordinative Fähigkeiten (allerdings nicht in der geschilderten Form, hier sind weitere Anpassungen nötig)

Faken von Gegenspielern

Eine sehr erfolgreiche Möglichkeit des Taktiktrainings besteht darin, verschiedene Spielsituationen nachzuahmen. Nicht nur Situationen können imitiert werden, sondern auch ganze Spielertypen:

Ich habe im Medenspiel mal wieder gegen einen Löffler verloren, was kann ich tun? Mein Partner in unserem neuen Trainingssystem spielt einen Löffler und tut nichts anderes als löffeln. Oder er löffelt so, wie der Löffler, rückt aber trotzdem ans Netz vor. Oder er hat einen super Aufschlag und geht dann ans Netz, löffelt aber sonst nur. Oder er löffelt nur Spinbälle. Oder er spielt hart auf die Rückhand, löffelt aber auf die Vorhand… der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt, solange das Ganze Sinn macht und nur ein einziger Punkt im Training behandelt wird!

Lösungen selbst finden

Die Grundidee sollte klar geworden sein. Zusammenfassend lässt sich noch sagen, dass reaktives Handeln ohne Erfahrung erst einmal das Ausprobieren von Lösungsvarianten ist. Das heißt, ich lerne z.B. durch das Bolzer-Faken meines Partners, indem ich teste, wie ich ihn aus dem Konzept bringe und möglichst viele wichtige Punkte selbst mache.

Was kann ich tun, dass ich im Spiel mindestens 2 Punkte mehr mache als er? Vor allem dann, wenn ich keine Bolzer mag? Das kann niemand sagen, denn es gibt eine Vielzahl an Einflussfaktoren, von denen nun einige genannt werden:

  • Wie viele Bälle trifft er gerade heute genau?
  • Kann er sein Spiel umstellen?
  • Wie sicher bin ich heute in meinen Schlägen?
  • Geht Wind?
  • Ist er noch gewiefter als ich?
  • Wie ausdauernd ist er? Wie ausdauernd bin ich?

All diese Einflussfaktoren können auch im Trainingsmatch vorhanden sein; man muss das Trainingsmatch dazu aber ernst nehmen.

Ein guter, wenn auch etwas umstrittener Trick dazu: Man spielt um irgendetwas, das gerade einen so hohen Wert hat, dass man es gewinnen oder aber nicht verlieren möchte. Ein Bier ausgeben reicht dem zur Folge nicht, wenn man nicht gerade komplett pleite ist. Finden Sie etwas, das die Konkurrenz schürt und im ideellen oder finanziellen Wert so unschön bzw. der Gewinn so schön wäre, dass sie gerade motiviert genug sind, um dem Gegner keinen Ball zu schenken.

Das ganze Vorgehen basiert nicht nur bzgl. des Vorgehens an sich (Punkte, Pausen, Trainingsdichte und -intensität) auf einem Match, sondern auch grundsätzlich in taktischer Hinsicht: Wer kennt nicht das Match, in dem er hätte gewinnen können, hätte er nur die Fähigkeit, unter Matchdruck immer wieder lang und mit extremen Spin auf die Rückhand (Paradebeispiel) zu spielen. Wurde das nicht genauso gegen einen ähnlichen Gegner geübt, ist es aber wegen fehlender Genauigkeit, Schnelligkeit, fehlendem Spin und fehlender Geschwindigkeit nicht möglich und die Vorhandpeitsche des Gegners macht den Punkt nach drei Schlägen zunichte.

Ich bin gerne jederzeit für Fragen, Anregungen, Erweiterungen und Ähnliches offen. Der Artikel befindet sich noch in der Bearbeitung.

Zum Autor Andreas Ehstand: 2008-2012 Leiter einer 2012 VDT/DTB-lizenzierten deutschenTennisschule (facebook.com/tennislobby); bis 2013 wissenschaftlicher Mitarbeiter im (auch sport-)pädagogischen Bereich; aktuell Coach im Hochleistungstraining

 

 

2 Kommentare

  1. Sehr interessanter Artikel, würde gern auch die Fortsetzungen lesen.
    Denn hier wird etwas beschrieben, was mich zur Zeit gewegt.

    Meine Situation:
    bin 71 Jahre Medenspieler 60+ (Bezirksoberliga Hessen)
    (mit 33 Jahren angefangen, so ziemlich immer ohne Trainer)
    Kondition eher schwach.
    Da ich bisher mit mittleren Erfogen über die Runden gekommen bin, – aber jetzt immer weniger –
    hab ich festgestellt, dass eine auf Verteidigung ausgerichtete Strategie
    nicht mehr ausreicht, um ein Match zu gewinnen,
    Deshalb hab ich angefangen, moderne Schlagarten Topspin-Rückhand und Vorhand
    und den Aufschlag (zunächst gerade und Slice) zu üben, damit ich
    die Ballwechsel kürzer gestalten kann.
    Jetzt will ich mit einem Tenniskollegen über Winter nach Ihren Vorstellungen an der Technik feilen.

    Liebe Grüsse

    Klaus Ranft

    • Lieber Klaus, danke für Deinen Kommentar, der mich persönlich auch sehr betrifft.
      Ich bin in der gleichen Altersklasse und war dieses Jahr in den Medenspielen nicht erfolgreich.
      Zum Einen, wegen mangelnder Fitness im Gefolge gesundheitlicher Probleme. Werde ich hoffentlich abstellen können.
      Zum anderen wegen des Zusammenlegens unterschiedlicher Bezirksklassen, der kleiner werdenden „Personaldecke“ der aktiven Medenspieler geschuldet. Mit ein wenig „Glück“ trifft man auf 7 Jahre jüngere und bessere Gegner.

      Bei mir kommt dazu, dass mein Tenniskonzept, dass auf athletisches Tennis nach Vorbildern aus dem Spitzentennis ausgerichtet ist, mit zunehmendem Alter unrealistischer wird. Meine eigenen Konsequenzen sehe ich daher eher in der Ausweitung in Richtung defensiver kraftschonender Schläge, also Slice, statt Topspin.
      Dass Du den umgekehrten Weg gehen willst, finde ich daher sehr interessant und daher diskussionswürdig.
      Einer meiner Gegner bei einem LK-Turnier letztes Jahr, selbst Platz 6 der Deutschen Seniorenrangliste, konfrontierte mich mit der Ansicht, dass z.B. der sogenannte „Ganzkörperaufschlag“ , gemeint ist wohl das, was ich hier so ausführlich beschrieben habe, sich bei Senioren nicht lohnt. Er war selbst Tennistrainer und hat sich in diesem Punkt mit Kameraden ausgetauscht, die ebenfalls diese Ansicht vertreten.
      Insofern könnte eine Diskussion sicher bereichern.
      Mit sportlichem Gruß
      Hollo

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