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Tenniswissen | Tennisanalysen

Management von Verein und Tennisschule

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Für den Sport in Deutschland werden schwierige Entwicklungen prognostiziert. Der deutliche Einbruch gerade beim Tennis wird wissenschaftlich untersucht. Die Clubs müssen also attraktiver werden, damit sie den modernen Gegebenheiten und Wertvorstellungen entsprechen. Eine Ahnung zum Image der Sportarten bekommt man auf diesem Mädchenportal.

In unserem Beitrag werden Grundlagen besprochen und wertvolle Arbeitsmaterialien von vorbildlichen Clubs und Tennisschulen gezeigt.

Gemeinnützigkeit und Mitwirkung
Tennis wird in Deutschland – noch – vorwiegend durch gemeinnützige Vereine organisiert, in denen die Mitwirkung der Mitglieder nach demokratischen Prinzipien vorgesehen ist. Der Vorstand arbeitet ehrenamtlich und muss von der Mitgliederversammlung entlastet werden. Aber auch in privatrechtlich organisierten Sportorganisationen führt der Mythos, dass Führungsfähigkeit eine Eigenschaft sei, die unabhängig vom Einsatzgebiet vorhanden ist, oft in die Irre. Siehe die aktuelle Diskussion um den Fußballclub 1899 Hoffenheim und den Milliardär Dietmar Hopp, hier ….

Das stellt gelegentlich erhöhte und ungewohnte Anforderungen an die ehrenamtlich aktiven Mitglieder, auf die diese vorbereitet sein sollten.

Heinemann/Horch nach Worek, S. 29.

Daniela Worek legt mit Ihrer Dissertation nicht nur eine Marktanalyse vor, sondern zeigt auch interessante generelle sportsoziologische und sportpsychologische Aspekte, die dem im Tennisclub Engagierten viele wertvolle Einblicke ermöglichen. Eine Dissertation ist als allgemeine Informationsquelle nicht in jeder Hinsicht optimal. Ich empfehle aber, im Inhaltsverzeichnis zu stöbern und interessante Abschnitte zu lesen. Die Arbeit ist mir erst bekannt geworden, nachdem mein Portalbeitrag verfasst wurde. Einige Daten habe ich jetzt als Belege übernommen und ausgewiesen.

Die Satzung und gegebenenfalls die Geschäftsordnung legt die Aufgaben für die einzelnen Vorstandsmitglieder fest. Vorstandsmitglied wird man allein durch Wahl in der Mitgliederversammlung. Besondere formale Qualifikationen müssen nicht nachgewiesen werden. Da die Arbeit ehrenamtlich geleistet wird, ist eine Aufwandsentschädigung meist nicht vorgesehen. Die Gemeinnützigkeit hat für den Club große steuerliche Vorteile. Die Bedingungen, siehe hier…

Wesentliches Kriterium ist, neben der Förderung von gemeinnützigen Zwecken, der Grundsatz, „der Zweck muss selbstlos, ausschließlich und unmittelbar verfolgt werden.“

Mitwirkung und Transparenz, auch im Jugendbereich
Nach modernem Verständnis wird dies durch demokratische Strukturen und Abläufe, zu der auch ausreichende Transparenz gehört, gewährleistet. Ein kürzlich verschickter Bewerbungsbogen für einen Wettbewerb unter Sportvereinen mit Jugendbereich illustriert sehr prägnant, was heute unter Mitwirkung und Transparenz zu verstehen ist.

Auszug aus Bewerbungsbogen RWE „Junges Engagement im Sportverein“

In vielen Vereinen ist dies leider noch Zukunftsmusik. Angesichts der Tatsache, dass z.B. Kinder und Jugendliche mit erheblichen Mitteln gefördert werden, sollte eine einwandfreie demokratische Struktur des Jugendbereichs im obigen Sinne selbstverständlich sein. Außerdem fördern Mitwirkung und Transparenz die Motivation und das Verantwortungsgefühl der Kinder und Eltern.

Unterschiedliche Logik Wirtschaftsbetrieb/ehrenamtlicher Verein
Wie eingangs schon erwähnt, ist ein Verein eine Non-Profit-Organisation. Sie gehorcht deshalb nicht der gleichen Logik wie ein auf Gewinnerzielung ausgerichteter Betrieb, auch wenn die Zahlen am Ende „stimmen“ müssen. Im Verein gilt Vieles nicht, was die übrige Berufswelt ausmacht. Zum Beispiel gibt es in der Regel im kleinen Verein keine Angestellten, die materiell motiviert sind oder im Zweifel entlassen werden können. Den Hauptteil der Geschäftsstellentätigkeit üben Ehrenamtliche aus. Per Anordnungen lassen sich diese Aufgaben nicht anstoßen. Abstimmung und Motivation sind besonders gefragt. Denjenigen, die ihre berufliche Sozialisation in einem Wirtschaftsbetrieb erlebten – und das sind die Meisten – ist diese Situation ungewohnt, ungeachtet der modernen Managmentlehre für die Wirtschaft, in denen ähnliche Motivationskünste proklamiert werden.

Arbeiten von Club und Trainern organisieren und transparent machen
Gute Organisation ist das halbe Leben, sagt man. Eine vorbildliche Darstellung hierzu habe ich beim TC 1970 Burgsinn e.V. gefunden, siehe hier…. Diesem Webauftritt kann man viele weitere nützliche Anregungen und Arbeitshilfen für eine optimale Vereinsführung entnehmen. Alles was das Vereinsleben betrifft, ist knapp, effizient, übersichtlich und mit direktem Zugriff dargestellt. Und alles tip top a Jour. Transparenter kann man einen Club vermutlich nicht führen.

Die Mitglieder haben so die Möglichkeit, sich jederzeit selbst ein Bild über Strukturen und Abläufe in ihrem Club zu machen. Und die ehrenamtlich und hauptamtlich in die Vereinsführung und -Mitarbeit Eingebundenen können sich kurzfristig einarbeiten.

Sitzungsorganisation professionell
Auch oder gerade weil ein gemeinnütziger Verein andere Zielsetzungen hat als ein Unternehmen, muss er professionell geführt werden. Das konsequente Einhalten formaler Abläufe, wie regelmäßige Sitzungstermine, rechtzeitige Einladungen mit Tagesordnungen, zeitnahe Versendung der Ergebnisniederschriften/Protokolle, Verabschiedung der Niederschriften und Nachhalten der Aufgaben (-Erledigung) ist Mindestvorraussetzung für eine funktionierende Vereinsorganisation. Dies gilt für die Mitgliederversammlungen, soll aber auch für die Vorstandssitzungen so gemacht werden. Siehe hierzu die Formulare des obengenannten Clubs, TC 1970 Burgsinn e.V.

Wirtschaftliche Steuerung/Controlling
Wirtschaftliche Steuerungsinstrumente, wie eine weitreichende Jahres-Liquiditätsplanung, sind unabdingbar, um nicht böse überrascht zu werden.

Organisationsziele überprüfen
Von Zeit zu Zeit sind auch die grundlegenden Ziele des Vereins auf den Prüfstand zu stellen, um eine Ausrichtung auf neue Entwicklungen zu ermöglichen.

Die Chance, allerdings, einem Verein völlig neues Geschäftsfelder zu verschaffen, sind in der Praxis überraschend gering. In jahrzehntelanger beruflicher Erfahrung in einem überregionalen Großverein habe ich gelernt, dass es nur selten gelingt, ganz neue Aktivitäten und Geschäftsfelder zu (er-) finden.

Besonders sind folgende Punkte zu beachten, siehe auch Vereinsmanagement Tennis Sport und Konzept-einer-Vereinstennisschule

Verabsolutierung sportlicher Ziele vermeiden
In paradoxer Weise ist die Verselbstständigung sportlicher Ziele dem Hauptorganisationsziel des Vereins, zu überleben, oft im Wege. Diese aus dem Wettkampfgedanken unmittelbar abgeleitete „motorische Kraft“ bzw. Motivation, konfligiert nicht selten mit der Grundtatsache, dass sportliche Leistung vermutlich eher der Gauß-Kurve folgt, also normal verteilt ist. Mit anderen Worten, es gibt eine kleine Leistungselite, einige wenige völlig Talentfreie und eine große Mehrheit, die das Zeug dazu hat, erfolgreich in einem Club Turniere zu bestehen. Auf die Vereinspolitik bezogen, heißt das, viele Mitglieder wird man aus dem Bereich mittlerer Spielstärke akquirieren können und einige wenige Mitglieder, die ganz Oben mitmischen können. Siehe auch weiter unten zur Platzkapazität.

Somit kann die Zielsetzung, den Verein auf sportliches Spitzenniveau zu bringen, den Club schnell von der wichtigsten Zielgruppe, der breiten Masse der Clubspieler entfernen.

Sportliche Ziele dürfen deshalb nicht verabsolutiert werden, sondern müssen an den Bedürfnissen der Mehrheit der Mitglieder gemessen werden.

Das schließt nicht aus, dass ein Club auch Spielern der oberen Klassen ein Zuhause bietet, denn diese fungieren als Anreiz und Vorbild für den Nachwuchs (siehe hierzu aber den Beitrag „Hat mein Kind Talent„, in dem die Voraussetzungen bei Club und Tennistalent hinsichtlich Trainingsmöglichkeiten bzw die Zeitbudgets für das Kind/ den Jugendlichen dargestellt sind).

Besonders anfällig für eine überzogene Sportorientierung sind insbesondere Sportwart, Jugendwart und Trainer. Aber auch der Vorsitzende und evtl. Sponsoren legen besondern Wert auf den sportlichen Ruf „ihres“ Clubs. Nicht jeder kleine Club aber kann die ambitionierten Voraussetzungen erfüllen, z.B. weil die Platzkapazitäten nicht ausreichen, um für eine hohe Spielklasse angemessen zu trainieren. Eine besonders sensible Austarierung von sportlichem Ehrgeiz und realistischer Marktorientierung ist deshalb angezeigt.

Die Zielgruppen im Auge behalten

(Siehe auch Bewerbung zur Ausschschreibung des VDT/DTB zur Tennisschule des Jahres)

Im Einzelnen sind folgende Zielgruppen mit ihren spezifischen Anforderungen zu berücksichtigen:

  • Mitglieder insgesamtSportliches und geselliges Zusammenleben wird für alle Gruppen im Club möglich gemacht bzw. gefördert.
  • Kinder
    • (Tennischule Grenzach reichhaltige Angebote für Kinder – und lebendige Präsentation auf der Homepage.
      Achtung, Lautstärke vor dem Start des Clips stark absenken!)

 

Kinder können im Club bzw. in den dafür bereitgestellten Bereichen spielen und erhalten Anreize und Unterstützung, sich dem Tennis hinzuwenden. Sie haben ausreichende Mitwirkungsmöglichkeiten und die Auswahlverfahren, um in eine Förderung zu kommen sind transparent und demokratisch.

  • Jugendliche; Jugendliche erhalten die Chance, ihre Identität aufzubauen und eine sportliche Grundeinstellung zu erlangen, nämlich, sich im Sport zu messen und zu lernen, dass Drogen jeder Art für ein erfülltes Leben eher hinderlich sind (Sportbund, UNESCO). Wer möchte, erhält die Möglichkeit zum Beispiel durch einen Übungsleiterschein, sich im Tennis weiter zu qualifizieren.
  • Junge Erwachsene; Junge Erwachsene werden ermuntert, trotz hoher Belastungen in Studium und in den ersten Berufsjahren, im Tennissport, aber auch im Fitnessbereich (Laufen und andere Fitnesssportarten) einen Ausgleich zu finden.
  • Erwachsene mit kleinen Kindern; …haben im Club die Möglichkeit, in einem gleichfalls für sie und für ihre Kinder geeigneten Milieu zusammen zu kommen und Teile Ihrer Freizeit zu verbringen.
  • Erwachsene, „Mittelalter“; Erwachsene mit größeren Kindern können ihre Kinder in die Obhut der Trainer übergeben. Wenn die Kinder größer sind, können sie darauf vertrauen, dass diese im Club gut aufgehoben sind. Sie haben Mitwirkungsmöglichkeiten und sind über alle wichtigen Vorgänge ausreichend informiert.
  • Ältere Spieler; Der Tennissport bietet aufgrund seiner Komplexität und der Relevanz ganz unterschiedlicher einzusetzender Fähigkeiten auch für ältere Spieler Anregungen, das Interesse an diesem Sport zu erhalten. In einem Tennisverein mit entsprechender Sportkultur ist das Zusammenleben und –Spielen über eine sehr weite Alterspanne hinweg möglich und attraktiv. Dieser Aspekt wird oft übersehen, obwohl die Veränderungen in der Altersstruktur unserer Bevölkerung sowie der damit einhergehende Wandel im Konsum- und Sportverhalten dieser Gruppe eine stärkere Beachtung nahe legen.

So schreibt Daniela Worek in ihrer Dissertation, S. 22, „Da Tennis im Gegensatz zu vielen anderen Sportarten bis ins hohe Alter gespielt werden kann, hat das Seniorentennis im DTB einen hohen Stellenwert. Im internationalen Vergleich können deutsche Senioren immer wieder mit beachtlichen Erfolgen auf sich aufmerksam machen. Das spiegelt sich auch in der Statistik des DOSBs wider. Mit 209.977 Mitgliedern, die älter als 60 Jahre sind, belegt der DTB auch in der Klasse der über Sechzigjährigen, nach den Turn- und Schützenvereinen, einen Spitzenplatz

  • Passive Mitglieder; Ehemals Aktive treffen sich im Klub und können Anteil am Vereinsleben nehmen. Durch Skat- und Bridgetische bleiben sie auch im Club weiter aktiv. Auch diejenigen, die nicht mehr Tennis spielen können, werden somit eingebunden, so gut es geht (z.B. Kommunizieren tennissportlicher Ereignissen im Tennisverein und im globalen Tennisbereich, z.B. durch regelmäßige E-Mail Infos). Andere Angebote können hier ergänzend hinzu treten (Programm TV, Billard, Kicker, Computerecke usw.)

 Organisationsziele mit den realen Möglichkeiten abgleichen

Platzkapazitäten
In einer Analyse des Sportstättenangebots und der Sportsstättennachfrage für den Tennissport in Münster

( Forschungsstelle „Kommunale Sportentwicklungsplanung“ der Bergischen Universität Wuppertal vom November 2007, Autoren sind Horst Hübner und Thorsten Kleine)

finden wir eine Fülle von vereinsrelevanten Daten, die nicht nur für Münster interessant sind. So zeigt die Übersicht Vereinsmitglieder pro Außenplatz, was für eine Auslastung normalerweise – in Städten – üblich ist.

Nähere Angaben, siehe die oben verlinkte Studie, S. 11

Diese Zahlen stellen sich nicht dramatisch anders dar, wenn man nur die Vereinsplätze zählt, siehe die verlinkte Studie.

Jedoch sind sie Ausdruck für den Rückgang des Tennisbooms, denn ab 1970 kamen im Bereich des DTB relativ gleichbleibend ungefähr 46 Mitglieder auf einen Tennisplatz. In den Städten dürfte diese Quote – für den Spieler – noch ungünstiger gewesen sein.

Dabei wäre aber unbedingt noch zu berücksichtigen, dass in früheren Zeiten der Anteil der nichtspielenden sogenannten Passiven Mitglieder erheblich größer war, als heute. Dies ist ein Parameter, der bei der Beurteilung der aktuellen Beleglage nicht vergessen werden darf! Die gefühlte Platzkapazität aus alten Zeiten wäre dann mit einem Korrekturfaktor zu erhöhen.

Darüber hinaus haben sich vermutlich die Bedingungen für eine im Tagesablauf zeitliche ausgeglichene Platzbelegung verschlechtert.

  • Wieder länger werdende reale Arbeitszeiten,
  • höherer Anteil der berufstätigen Frauen und
  • erst später am Nachmittag einsetzende Freizeit der Kinder und Jugendlichen erhöhen den Bedarfsdruck auf die Platzanlage.
  • Dazu kommt ein höheres Trainingsaufkommen der Kinder und Jugendlichen.

Insgesamt dürfte damit der kapazitätserhöhende Effekt der Einführung der Sommerzeit mehr als aufgebraucht sein. Um so stärker muss der Club daher die Kapazitätsfrage im Auge behalten und durch intelligentes Platzmanagement Maßnahmen zur Entzerrung treffen.

  • hochwertige Pflege der Plätze (Wasser läuft schnell ab)
  • Platzpflege in Zeiten vornehmen, in denen nicht gespielt wird
  • Spielordnung, die eine optimale und gerechte Zuteilung der Plätze unterstützt
  • Transparenz für die Spieler zur je aktuelle Platzbelegung, damit sie kurzfristig ihre Spielverabredungen optimieren können, etwa durch…
    • Internet-Platzbelegungssysteme,
    • Web-Cam,
    • Rundmails per Info,
      • wenn Plätze wegen Reparatur gesperrt werden müssen,
      • langfristige Übersicht über Turniere und Forderungspiele,
      • Feriencamps usw.
    • Soziale Netzwerke?
  • Ausgleich der Interessen von Kindern und Jugendlichen, Tennisschule, Mannschaftstraining und freiem Spiel.

Es gibt in meinen Augen kaum etwas dem Verein abträglicheres, wenn Mitglieder gegen 20:00 nach der Arbeit in den Club kommen und frustriert -ungespielt- wieder abziehen. Auch bei angespannter Platzkapazität lässt sich dies vermeiden.

Ich behaupte, dass durch Einsatz der oben genannten Maßnahmen, s.o, die „gefühlte Platzkapazität“ ungefähr um 50% bis 100% erhöht werden kann. Einige Maßnahmen sind nicht kostenlos zu bekommen, andere erfordern „nur“ Engagement und guten Willen.

Die Münster Studie erlaubt keine Aussagen über diesen Effekt bzw. die gefühlte Platzkapazität. Es fehlen dazu die Ausgangsdaten, z.b. der Anteil der passiven Mitglieder oder die Spielhäufigkeit Stunden/Woche für den durchschnittlichen Spieler.

Für Deutschland insgesamt werden für den Tennisspieler etwa 70 Matches pro Jahr beziffert, siehe Daniele Worek, s. 28. Wer aber seinen eigenen Club mit den Münsteraner Verhältnissen vergleichen will, kann sich anhand der folgenden Aufstellung recht gut herantasten. Etwas, indem man mal davon ausgeht, dass die durchschnittliche Mannschaftsstärke bei 10 liegt und dass vermutlich 80 % der aktiv spielenden Mitglieder in einer Mannschaft gemeldet sind.

Bespielbarkeit der Plätze und Platzpflege
Die Kultur eines Tennisclubs zeigt sich nicht zuletzt am Zustand der Plätze. Zu späte Saisoneröffnung (wann können sich die Aktiven auf die Medenspiele vorbereiten?), zu lange noch zu weich, später ewiges Warten, bis die Pfützen abgelaufen sind, und im Sommer und Spätsommer dann ausgehärtete Plätze, auf denen eine rutschige grobsandige Schicht unverbunden aufliegt. Wir meinen, nicht die Anzahl der Plätze allein ist entscheidend für die Spielmöglichkeiten der Clubmitglieder, sondern vielmehr die Qualität und effektive Dauer der Bespielbarkeit, saisonal bzw. im Tagesablauf nach Regeneinwirkung oder nach der Platzpflege. Es gibt Systeme und Clubs, die bekommen das gut hin, und andere, bei denen diese Mängel ein Dauerthema sind. Oft zeigt sich erst nach einigen Jahren, wenn an den Platzkosten zu sehr gespart wird

Sportliche Ziele
Natürlich müssen die sportlichen Ambitionen des Clubs auf diese aktuelle Platzauslastung bzw. Kapazität hin, abgestimmt sein. Denn eine hohe Spielklasse für viele Mannschaften bedarf hoher Trainingsleistungen, wenn die Spielklasse gehalten werden soll. Ein starker Jugendbereich fördert Zielkonflikte zutage. Eine hohe Anzahl Kinder und Jugendliche erzeugen hohes Aufkommen für die Tennisschule/Trainer, was gewünscht ist, weil gute Trainer zu den Clubs gehen, die viel Training nachfragen. Gleichzeitig aber schrumpft die verbleibende Platzkapazität für die übrigen, voll zahlenden Mitglieder.

Quelle: Münster Studie, s.o.

Marketing – die Vereinskultur bewahren, ausbauen und kommunizieren
Nur ein Verein mit lebendiger auch die Breite berücksichtigender sportlicher Kultur bietet einen fruchtbaren Boden für Training und sportorientierte Events. Reger Sport- und Trainingsbetrieb fördern den Ruf des Clubs im lokalen Umfeld. Sie beflügeln den Umsatz der Club-Gastronomie und ermöglichen auch dort ein hochwertigeres Angebot und besseren Service. Dass dies wiederum günstige Rückwirkungen auf die Vereinskultur hat, liegt auf der Hand.

Auch Clubfestivitäten können die Mitgliederbindung erhöhen und den Verein damit stabilisieren.

Siehe hierzu Daniela Worek, „Determinanten des Drop-outs im Tennis – Eine empirische Studie, Diss. Univ. Karlsruhe (TH), Frankfurt a.M, 2009

 

Sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen!
Die professonelle marketingorientierte Führung eines Clubs – dies gilt gleichermaßen für die Tennisschule – bedarf personeller Ressourcen, die die Angebote und ihre Darstellung ständig a jour halten. Mir ist in diesem Zusammenhang die Tennisschule Grenzach ins Auge gefallen, die einen breiten Fächer an Angeboten für alle Zielgruppen darbietet, ähnlich, wie es die Bewerbung der Tennisschule Boris Franke, weiter oben, fordert, siehe hier… Eine umfassende Studie zum Vereinsmarketing im Internet findet sich in dieser Dissertation von Bernd Fischel, „E-Sportbusiness: Online-Marketing und -Managemen für Sportvereine“

 

Kommt nämlich der Vereins erstmal ins „Rutschen“, geht die Spirale schnell in den Keller: schlechte Jugendarbeit spricht sich – in den umliegenden Schulen, die ja ein „Gedächtnis“ haben – zuerst herum. Die einseitige Rekrutierung von Mannschaftsspielern von außen, ohne gleichzeitige Förderung des eigenen Nachwuchses, frustriert die Jugendlichen und deren Eltern. Das Trainingsaufkommen reduziert sich, die Trainer orientieren sich woanders hin, die Clubgaststätte hält weniger Angebote bereit. Die Stimmung sinkt generell. Das Fließgleichgewicht zwischen Aus- und Eintritten verschiebt sich nach unten. Die Mittel werden knapp. Erhaltungsinvestitionen und Schönheitsreparaturen werden eingespart, usw. Der Club geht „den Bach runter“.

Maßnahmen zur Sportkultur
Folgenden Ansätze können die Vereinsmitglieder in sportlicher Hinsicht aktivieren und die Trainingsnachfrage stimulieren (einige Elemente haben sich bereits in einigen Vereinen bewährt) .

  • Noch nicht in eine Mannschaft integrierte Mitglieder werden durch Freundschaftsturniere „aufgebaut“.
  • Abgemeldete Mannschaften werden nach Möglichkeit „wieder belebt“.
  • Ranglistenturniere innerhalb oder auch zwischen den Mannschaften gleicher Alterskategorie werden mindestens einmal im Jahr angeboten.
  • Das „Forderungswesens“ wird wiederbelebt. Wenn es Forderungen gibt, sollten diese per Email den Mitgliedern mitgeteilt werden. Dies kann durchaus zu beachtlichen Zuschauerzahlen führen (allerdings haben hier die Leistungsklassen LK zu einer erheblichen Entwertung clubinterner Ranglistenaktivitäten geführt, weil nunmehr die Mannschaftsaufstellungen von den Ergebnissen unberührt bleiben.)
  • Die Jahres-Clubturniere (Jugendliche und Erwachsene) werden ebenfalls per E-Mail announziert und begleitet. Dies stärkt das Clubleben und schließlich auch den Umsatz der Club-Gastwirtschaft. Es regt im besten Fall einen gesunden sportlichen Ehrgeiz an und führte zur erhöhten Trainingsnachfrage. Leider gilt das oben Gesagte bezüglich der Auswirkungen der LK-Klassen auch hier.
  • Förderungspolitik bei Kindern und Jugendlichen: diejenigen Kinder werden verstärkt gefördert, die eine (zusätzliche) Trainerstunde pro Woche gebucht haben.

Mitgliederzufriedenheit
Eigentlich sollten die Mitwirkungsmöglichkeiten der Mitglieder in den satzungsgemäßen Gremien automatisch für Zufriedenheit mit der Vereinspolitik sorgen. Bei unzureichender Teilnahme an den Mitgliederversammlungen werden Unzufriedenheitspotentiale aber möglicherweise nicht rechtzeitig erkannt.

Die Entwicklung des sportlichen und kulturellen Bereichs des Vereins tiefergehend zu hinterfragen, wäre daher wünschenswert. Etwa, indem einige Meßgrößen der Zufriedenheit in das Berichtswesen der Mitgliederversammlungen aufgenommen werden.

Folgende „Messgrößen“ wären denkbar.

  • positiv Anzahl der …Mitglieder, die in einer Mannschaft aufgestellt sind.
  • Mitglieder, auch Nicht- Mannschaftsmitglieder, die mindestens dreimal im Jahr in eine Turniersituation erlebt haben..
  • Mitglieder, die für den Mannschaftsport reaktiviert werden konnten.
  • Mitglieder, die neu für den Mannschaftsport gewonnen werden konnten.
  • Mitglieder, die aufgrund der Spielklasse für den Club gewonnen werden konnten.Teilnehmer an den geselligen und/oder sportlichen Events des Vereins.
  • negativ Anzahl der …Mitglieder, die neuerdings keine Mannschaft mehr haben
  • Austritte wegen ungenügenden Einsatzes in der Mannschaft
  • Austritte, weil die Gegner bzw. die Mannschaftskameraden zu schwach spielen.
  • Austritte, weil die Spielklasse einen zu geringen Rang hat (Prestige)
  • Austritte, weil nach deren Wahrnehmung im Verein nicht genügend adäquate Gegner zur Verfügung gestanden haben.

Verbesserungsfähig ist in den meisten Tennisvereinen in der Regel auch die systematische Kontrolle der weichen Erfolgsfaktoren. Neben den Informationen über Neumitglieder bzw. Austritte, sollte gelegentlich das „Wohlfühlklima“ im Verein sondiert werden, durch….

  • Die Befragung von ausgetretenen Mitgliedern
  • Die aufmerksame Beobachtung der Beteiligung an Mitgliederversammlungen,
  • Das Engagement in ehrenamtlichen Funktionen (z.B. Vergnügungsausschuss).

Allerdings riskiert man damit, dass negative Stimmungen durch die Befragung erst in das Bewusstsein der Mitglieder treten.

Repräsentation des Clubs im Vorstand
Besser als jede Befragung ist es, wenn die Ehrenamtlichen ihr Ohr nahe genug an den Clubmitgliedern haben. Das ist gewährleistet, wenn der Vorstand möglichst viele Gruppen im Club repräsentiert.

Eine Monokultur, z.B. nur aus einer einzigen Mannschaft, birgt die Gefahr, dass nur ein Alters- oder Leistungsbereich im Fokus liegt. Trotz vielleicht höherer „Schlagkraft“, kann sich in solcher Konfiguration leicht die berühmte Wagenburg-Mentalität herausbilden. Dem Club wäre das abträglich.

 

© Dr. Holger Hillmer

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