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Tenniswissen | Tennisanalysen

Wie gesund ist Tennis in der Freizeit?

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Tennis macht nicht nur Spaß, sondern die gesundheitlichen positiven Auswirkungen für Erwachsene und erst Recht Kinder sind unbestritten. Ein fortgeschrittener Spieler bewegt sich auf dem Platz während einer Stunde Match 3,5 Km. Selbst der lockere Freizeitspieler läuft insgesamt etwa 3,3 Km.

Der Puls geht im Mittel auf 148,3 (Freizeitspieler) bzw. 149,8 (Turnierspieler) hoch. Das entspricht 80% des Maximalpulses. 45 min. wird gegangen, 7 min im Joggingtempo und um die 10 min wird gesprinted. Es werden pro Stunde zwischen 400 und 600 kCal. verbraucht Quelle (Kalorienrechner für Sportarten, siehe hier…)

In diesem Bereich sehen wir zwischen Turnier- und Freizeitspielern von der Belastung her die deutlichsten Unterschiede. Spitzenspieler spielen, neben etwas härter geschlagenen Bällen, mit den größeren Winkeln und erreichen längere Ballwechsel. hier…
Siehe hierzu weiter die sehr interessante Dissertation von Sven Piper Diagnostik der Laufschnelligkeit im Tennis. Diese Arbeit ist in Tenniskreisen viel zu wenig bekannt, obwohl wir sie schon seit Jahren verlinkt haben. Wer sich z.B.  für Reaktionszeiten mit und ohne „Vorwarnung“ und die Laufwege beim Tennis in alle Richtungen interessiert, hat hier eine wahre Fundgrube

Kinder und Jugendliche
Der Freizeitsport ist für die „Volksgesundheit“ eminent wichtig. Aber wir denken dabei nicht allein an die Erwachsenen, die sich eigenverantwortlich um das ausreichende Maß an Bewegung kümmern sollten, sondern besonders auch an die Kinder und Jugendlichen, die, vor allem im Großstadtleben ohne Vereinsanbindung nicht mehr genügend Bewegung haben.

Kinder brauchen heute also besondere Anreize, sich mehr zu bewegen, siehe hierzu auch das Programm Modul Motorik, MoMo, hier…

„Die WHO (2008) empfiehlt für Kinder und Jugendliche eine moderate körperliche Aktivität von mindestens einer Stunde an jedem Tag. Diese Vorgabe wird – legt man die MoMo-Daten zugrunde – lediglich von 15,3% der 4 bis 17-jährigen Kinder und Jugendlichen in Deutschland erfüllt. Dabei zeigt sich ein deutlicher Geschlechts- und Alterseffekt: 17,4% der Jungen und nur 13,1% der Mädchen erreichen den empfohlenen Umfang an körperlicher Aktivität von einer Stunde mindestens moderater Aktivität an sieben Tagen pro Woche….

…Beim Blick auf die motorische Leistungsfähigkeit zeigt sich, dass über ein Drittel der Kinder und Jugendlichen (35%) nicht in der Lage sind, zwei oder mehr Schritte auf einem 3cm breiten Balken rückwärts zu balancieren. Beim Balancieren auf der T-Schiene gelingt es 86% der Probanden nicht, eine Minute ohne Bodenberührung auf der Schiene zu stehen. Bei der Rumpfbeuge, einem Test zur Messung der Beweglichkeit, erreichen 43% nicht das Fußsohlenniveau, wobei hier ein ganz deutlicher Geschlechtsunterschied sichtbar wird: Mit 53% schafft es über die Hälfte der Jungen gegenüber 33% der Mädchen nicht, das Fußsohlenniveau zu erreichen…“

Freizeitsport für Erwachsene

Zu gesundheitlichen Fragen habe ich diese sympatische und lehrreiche Website eines für Tennis und Medizin kompetenten Paares gefunden. Zum Thema Gesundheit, siehe diesen Einstieg, hier… .

Neben den allseits bekannten positiven Wirkungen auf Kreislauf und Psyche, wird auch das Skelett vor Abbau geschützt.  So wurde gezeigt, dass die Knochendichte durch die harten Stöße, die beim Aufsetzen des Fersenbeines entstehen, erheblich gefördert wird. Und obwohl die Senioren in Umfragen gerne nach stark gedämpften Schuhe verlangen, sind es gerade die harten Aufsetzter die den positivsten Einfluss auf Knochenmasse und -Dichte ausüben. Siehe die Dissertation von Jens Heidenfelder Entwicklung eines dynamischen Tests zur Prüfung der Rückfußdämpfung von Laufschuhen mittels biomechanischer Messmethoden S. 38. Dabei geht der Aufsetzschock durch den ganzen Körper und kann noch am Kopf, wenngleich auch gedämpft, gemessen werden.

Um den Einstieg in das Tennis zu erleichtern, gibt es die weltweite Initative play&stay, die mit Erleichterungen des Reglements von Anfang an Erfolgserlebnisse des Anfängers ermöglichen will.  play & stay sieht für verschiedene Lernstufen verkleinerte Plätze und andere Bälle vor. Die beste Konzeptübersicht, in der Ballsorten, Platzabmessungen und Zielgruppen zusammengefasst sind, findet sich auf der Startseite. des ITF gefunden auf dem sehr gut gemachten play & stay – Portal der USTA, siehe hier…

Tennis bietet viele Möglichkeiten, sich weiter zu entwickeln, die aber wenig genutzt werden. Vermutlich erklären sich viele Ansätze,Tennis durch Musik und andere Beigaben aufzupeppen, auch aus den fehlenden Anreizen und Angeboten, am eigenen Tennis „etwas zu tun“.

Tennis für Freizeitsportler hat auch Vic Braden in einem eigens für diese Zielgruppe geschriebenen Buch angesprochen. Ein guter Ansatz, auch wenn er gelegentlich über das Ziel hinaus schoss, ist es, wenn er behauptete, jeder könne auch beim Tennisschlag in die Knie gehen, der sich auf einen Stuhl setzten und wieder aufstehen kann. Ja, wenn das so einfach wäre! Unter dem Link finden sich übrigens einige seiner Tennistipps – und wieder das Aufräumen mit weiteren Tennismythen.

Exkurs Tennis gleich richtig lernen?
Was aber etws zu kurz kommt, ist die Übertragung – ich nenne es mal – „Modellgesetze“ – die maßstabsgerecht auf die athletischen und anderen Dispositionen verschiedener Freizeitgruppen Bezug nehmen:
Bis zu welcher Spielstärke beispielsweise, kann der Freizeitspieler oder auch der ältere Turnierspieler sich individuelle Eigenheiten in den Schlagstilen leisten ohne Beeinträchtigung seiner Spielstärke (z.B. Vorhand nur Slice oder Ausholen „untenrum“)?
Wer mit play&stay beginnt, wird unweigerlich mit der Notwendigkeit konfrontiert, an seinen Schlagstile zu arbeiten. Doch wann empfiehlt es sich, ein Bewegungsschema grundlegender zu revidieren? Welchen Trainingsaufwand muss man dafür ansetzen? Kann es befriedigend sein, erst mal „schlechter“ zu spielen in der Hoffnung auf einen Quantensprung in der Technik? Eine schwierige Frage. Nichts ist so schwer in der Motorik, als das Umlernen, weil  alte Bewegungsmuster ständig durch irgendwelche Reize angestoßen werden. Man sollte das also nur tun, wenn das Umlernen auch Spaß macht. Dann ist der Weg auch ein wenig ein (Teil-) Ziel). siehe hierzu unseren Beitrag Umlernen.

Einige Gründe, warum Freizeittennis sich von dem der Profis unterscheidet – und dass selbst die Spitzenspieler nicht immer „gut aussehen“, siehe auch hier…

Die Weiterentwicklung des eigenen Tennis ist durchaus mit gesundheitlichen Risiken verbunden. Andere Schlagstile belasten den Körper in neuer Weise. Manchmal erwachsen daraus Überlastungsschäden.

Andererseits, wer Nichts ausprobiert, gerät in Gefahr, dass das Tennis langweilig wird und man den Sport aufgibt.

 

© Dr. Holger Hillmer

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