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Soll ich meinen Schläger schwerer machen?

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Die Bälle schneller und länger zu machen, ohne sich ansonsten umzustellen, was will man mehr? Schlägertuning wäre ein Weg. Das Tunen mit Gewichten im Schlägerkopf wird oft empfohlen und von Vielen praktiziert, um den „Hammereffekt“ des Schlägers auszubauen. Dazu gibt es auch in der angelsächsichen Literatur zahlreiche Abhandlungen und Berechnungen, meist von Physikern.
Und Berichte über Zusatzgewichte am Schläger berühmter Spieler, z.B. Federers Schlägertick, scheinen das zu untermauern.

Die Grunddaten der Tennischläger (PDf-Download) finden wir in dieser Erläuterung, eine Tennisschlägerinfo des TV Burgsinn, mit dem wir guten Kontakt pflegen. Zur Frage des evtl. längeren Schlägergriffs für Beidhänder, siehe diesen Thread in gutefrage.net

Eine Übersicht  etlicher derzeit im Handel erhältlicher Schläger eines bekannten Tennisversands, siehe hier….

Neulich hatte ich wieder mal den Impuls, etwas am Schläger zu tun. Aber konnte es eigentlich vernünftig sein, einen sehr leichten Schläger zu kaufen um ihn dann doch schwerer zu machen? Da ich das schon öfter mal versucht hatte, aber nie besser wurde, wollte ich es diesmal  gründlicher überdenken. Viele erfahrene Spieler im Club benutzen eher schwerere Schläger. Ist es doch das Gewicht, was den Ball schnell macht, oder deren Kraft, Schlagstil und Erfahrung?

Eine simple Berechnung über die Energieübertragung vom Schläger auf den Ball förderte erst mal Überraschendes zutage: ein schwerer Schläger überträgt einen geringeren Anteil seiner Bewegungsenergie auf den Ball, und zwar fast 15% – das ist im Sport eine ganze Menge!

Ein schwerer Schläger macht den Ball also, entgegen eines weitverbreiteten Mythos,  erst mal keinesfalls schneller, sondern langsamer. Zwar wohnt dem schweren Schläger bei gleicher Geschwindigkeit ein größerer Impuls und eine größere kinetische Energie inne. Diese musste der Spieler aber auch vorher hineinstecken. Mit gleichem Kraft- und Energieaufwand beschleunigt man den schweren Schläger entsprechend langsamer.

Diesen Effekt haben wir in unsere Berechnung grob einbezogen. Die Kraft, die längst der Beschleunigungsstrecke vom Spieler eingebracht wird, wurde sowohl beim leichten, als auch beim schweren Schlägers als gleich angesetzt. Siehe die Excel-Tabelle hier… bzw. den Beitrag „Muskelmodelle…“

Allerdings ergeben sich nun auf der Energieaufbringungsseite, also beim Spieler, einige Komplikationen, die in dem einen oder anderen Fall den Energiegewinn des leichten Schlägers zunichte machen können

    • Bei der beidhändigen Rückhand müssen zwei Arme mitbeschleunigt werden. Hier dürfte ein allzu leichter Schläger Nachteile bringen.
    • Auch bei der Vorhand ist ein sehr kräftiger Arm wegen seines potentiell größeren Krafteintrages (Kraftstoß) eher mit einem schwereren Schläger besser bedient. Zudem dürfte dieser Arm auch entsprechend schwerer sein, was beim leichteren Schläger buchstäblich stärker ins Gewicht fällt.
    • Bei konservativeren Schlagstilen, z.B. dem Drive, wird die Armmasse synchron zum Schläger auf etwas die gleiche Geschwindigkeit beschleunigt. Das macht die Relation „Beschleunigungarbeit für das Nutzgewicht (Schläger) zu Beschleunigungsarbeit für das  Gesamtgewicht (einschließlich Arm und Schulter)“ ungünstiger. Bei der Vorhandpeitsche, hingegen, wird der Schlägerkopf auf eine erheblich höhere Geschwindigkeit gebracht, als der Armtrakt, s. hier….  Das Armgewicht spielt dann eine kleinere Rolle. Der Vorteil eines leichteren Schlägers kommt hier stärker zum Tragen.
    • Was eher für den schwereren Schläger spricht: ein Muskel kann nicht beliebig schnell arbeiten und gibt bei schnellen Bewegungen eine geringere Kraft ab (HILLsche Beziehung). Dies hat Wiemann, siehe weiter unten, in seinem Rechenmodell im Detail für einen leichten und einen schweren Schläger berechnet, siehe unseren Beitrag Muskelmodelle für den Vorhandschlag.  Beim leichteren Schläger kommt man bei bestimmten Voraussetzungen eher in den Bereich einer maximalen Verkürzungsgeschwindigkeit der Muskulatur, ab dem er keine volle Kraft mehr abgeben kann, als beim Schwereren.
    • Nicht untersucht wurden hier die Verhältnisse von Schlägern mit Überlänge. Neben den paar Zentimetern größerer Reichweite haben diese Schläger ein anderes Verhältnis von Swingweight zu Schlägermasse. Kurz gesagt, der Schläger hat eine längere Übersetzung. Mit einem längeren Schläger wird die Muskelarbeit daher bei gleichem Swingweight und leichterem Schlägerkopf langsamer (Hillsche Beziehung) und kann diesen Nachteil des leichteren Schlägers ausgleichen. Deshalb beschleunigen diese Schläger besser einen langsamen Ball.
      Die maximale Länge des Schlägers wurde (deshalb?) seit einigen Jahren vom Reglement reduziert.

      Ich spielte selbst noch Schläger mit – nach heutiger Situation – extremer Überlänge. Die Umstellung auf kürzere Schläger ist danach ziemlich schwierig: Ein langer Schläger hat im Kopf weniger Masse, um das Swingweight im Rahmen zu halten. Wenn man also einen Ball nahe am Boden gerade noch so herauskratzt, der Schlägerkopf also keine große Geschwindigkeit hat, kommt viel weniger Balllänge heraus, als bei einem kürzeren Schläger mit entsprechendem (gleiches Swingweight) schwereren Schlägerkopf.
      Genau genommen, verändert sich bei diesem Schläger Alles am Spielverhalten

Wir stellen also fest

  • Aus der Physik des Elastischen Stoßes und unter bestimmten Annahmen, erzeugt der Leichte Schläger bei einem nicht extrem ankommenden Ball höhere Ballbeschleunigung. Dies gilt verstärkt für einen Spieler mit eher geringerem Armgewicht. Siehe hierzu auch den australischen Physiker R. Cross You should not use a heavy racquet if you have a light arm
  • Der schwerere Schläger gibt bei schnell ankommenden Bällen den Ball schneller wieder zurück. Spielt man in einer Spielklasse, in der schnell gespielt wird, ist dies ein Vorteil.
  • Ballbeschleunigung ist natürlich nicht alles. Manchmal ist sie sogar unerwünscht, Ein schwererer Schläger „reflektiert“ zwar – ähnlich der Ballwand – den Ball etwas besser, als der Leichtere. Das ist aber nicht immer erwünscht: z.B. beim Volley, wenn man eine schnellen Ball parieren muss, oder beim Stoppball, wenn der Ball kurz werden soll und viel Schnitt gegeben wird. Dies gilt generell auch für alle Spin-Bälle, da bei gleicher Energie der Schlägerkopf eine höhere Geschwindigkeit hat. Bei Bedarf  kann davon also mehr für den Spin eingesetzt werden, als bei einem schwereren Schläger, weil die zur Balloberfläche tangentiale Relativbewegung größer ist.
  • Wenn der Spieler beim Trockenschlag spürt, dass der leichtere Schläger bei seiner Standardvorhand nicht deutlich schneller beschleunigt (Luftgeräusch des Saitenbettes), als den Schwerere, dann ist er (der leichte Schläger) für diesen Spieler eher zu leicht.
  • Ein leichterer Schläger „erzieht“ den Spieler dazu, die Schläge mit mehr Peitscheneinsatz weiter zu entwickeln, weil „sonst Nichts rauskommt“. Ein schwerer Schläger veranlasst den Spieler eher dazu, sich dem klassischen geführten Drive zu nähern, bzw. dabei zu bleiben. (Siehe unseren Beitrag Umlernen).
  • Ob ein leichterer oder ein schwererer Schläger mehr Spin erzeugt, ist nicht ausgemacht. Der leichtere Schläger wird bei der Peitsche auf eine höhere Geschwindigkeit beschleunigt und diese kann auch in Spin umgesetzt werden. Der schwerere Schläger wird meist härter bespannt (härtere Bespannung kostet aber mehr Kraft/Energie) Der Ball wird stärker deformiert und die Spinkomponente des Schlägerkopfes wird dadurch besser übertragen. Dieser Effekt kann aber durch profilierte Saiten kompensiert werden. (Siehe hierzu unseren Beitrag Besaitungsfragen.)

Schlägertuning professionell
Wer also zum Schluss gekommen ist, sich seinen Schläger schwerer zu machen, sollte sich vorher möglichst informieren, an welchen Stellen des Schlägers Zusatzgewichte angebracht werden.
Zwar kann man durch Zusatzgewichte in der Spitze des Schlägerkopfes oder an den Flanken des Saitenbettes in Höhe des Sweetspots zum Ausprobieren Gewichte anbringen um grundsätzlich den Effekt einer Beschwerung zu fühlen. Aber wenn man den Schlagkomfort erhalten will, empfiehlt es sich, vorher entsprechende Anleitungen und Berechnungen zu studieren, damit nicht unvorhergesehene Nebeneffekte, vor allem Vibrationen,  auftreten.
Siehe hierzu den Artikel vom „Papst“ des Schlägertunings „Customising a tennis raquet by adding weights„.
Wer ein iPhone besitzt, kann sich mit den Apps „swingTool“ und „racquetTune“  helfen lassen. swingTool misst das Swingweigth und racquetTune rechnet aus, wo man welches Gewicht zu befestigen hat.

Für das Ausprobieren auf dem Platz habe ich immer Lötdraht bzw. Lötzinn aus dem Elektronikzubehör verwendet, dass man bequem auf- und abwickeln kann. Für die saubere Montage gibt es im Tennishandel selbstklebende Gewichtspads.

Es gibt auf dem Markt natürlich auch Dienstleister, die den Schläger gerne für Sie tunen. Diese tummeln sich zuhauf im www.Saitenforum.de ,  hier einfach mal reinschauen. Allerdings gibt es kaum Möglichkeiten, den Schläger nachträglich leichter zu machen. Deshalb tendieren Schlägertuner eher dazu, die Vorteile des schwereren Schlägers zu hervorzuheben.

Eine schöne Einführung zum Thema richtiger Schläger finden wir in dieser Erläuterung zum Download, eine Tennisschlägerinfo des TV Burgsinn, mit dem wir einen guten Kontakt pflegen.

Eine Übersicht über die Grunddaten etlicher derzeit im Handel erhältlicher Schläger eines bekannten Tennisversands, findet sich hier….

 

© Dr. Holger Hillmer

3 Kommentare

  1. Tolle Seite, aber die Vielzahl der grammatikalischen Fehler ist unglaublich..

    • Hallo Henrick,
      das ist ja ein Ding!
      Bei Anderen sehe ich auch ständig Fehler, aber ich gebe zu, dass ich, bedingt durch die Konzentration auf die Inhalte, es mit der Lektorierung selbst nicht immer so genau nehme.

      Aber solche Fehler mindern den Qualitätseindruck. Ich habe selbst jahrelang Bücher eines großen technischen Verlags lektoriert und deshalb wohl gemeint, dass mir grammatikalische Fehler nicht unterlaufen könnten.

      Es wäre schön, wenn Du mir helfen könntest, die schlimmsten Klöpse zu entfernen. Und ich bin auch etwas neugierig, was mir da so unterlaufen ist!

      Es gibt auf meinem Portal auch viele Beiträge, die aus einer Urversion der Website hervorgegangen sind. Da bin ich bei der Übernahme dann auch schon mal sprachlich ins Schwimmen gekommen (die Reihenfolge der Beiträge zeigt übrigens nicht deren wahres Alter. Deshalb habe ich die Datumsangaben auch unterdrücken lassen.)

      Über das Lob freue ich mich aber trotzdem, Danke, dafür!

      Vielleicht erodiert mein Sprachgefühl auch durch das viele Lesen der Spiegel-Online-Foren, die in letzer Zeit tatsächlich sprachlich zu 80 % eine Zumutung sind.
      Neulich hatte ich einen kurzen Mail-Austausch mit einem Professor der Soziologie – und gesehen, wie unbeholfen ein einfach so hingeschriebener Text auch bei diesem qualifikatorschen Hintergrund wirken kann. Zugegeben, es ist eine schwache Entschuldigung.

      Mit sportlichem Gruß, und

      Guten Rutsch!

      hollo

  2. So unterschiedlich wie Tennisschläger sind auch die Schlagtechniken der Spieler. Aus diesem Grund …. *
    ……………………..
    Mit sportlichen Grüßen
    Clemens Purkop

    *Der ausführliche Kommentar findet sich im Beitrag Besaitungsfragen. Damit eine evtl. Diskussion sich nicht über drei Artikel verfranst, habe ich an dieser Stelle nur einen „Platzhalter“ belassen.
    Holger Hillmer

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