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Mit Videos von den Großen lernen

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In vielen Spielern keimt der Wunsch, einen Schlag mal „so  ganz richtig“ zu lernen.
Aber auch Anfänger haben ein Recht darauf, von vornherein die richtigen Schläge einzuüben, um späteres Umlernen zu vermeiden. Die Weltklassespieler messen sich mit den Besten der Welt.  Bereits von Kind an lernten sie nach jeweils geltender Trainingslehre, dem  State of the Art ihr Tennis. Wie man am besten hinter die Geheimnisse des modernen Tennis heute kommt – hier ein Einstieg.

Auch, wenn man keinen Perfektionsanspruch an sich selbst stellt, ist es ein Vorteil, sich die Schläge der Großen mal genauer anzusehen. Oft übernimmt man dabei automatisch deren Bewegungsmuster: Freizeitspieler, die gerade von einem Spitzenturnier (als Zuschauer) heim kommen, spielen anschließend oft eine Klasse besser, als vorher – auch wenn der Effekt meist nicht von Dauer ist. Dies liegt aber daran, dass der ganzheitliche Lernvorgang dieser Art zwar auch noch bei Erwachsenen etwas funktioniert, der Lernvorgang aber zeitlich doch zu punktuell (ein-) wirkte.

Einen ersten Eindruck über die wichtigsten Schläge im Tennis gibt der Clip von einer Unterweisung seitens Novak Djokovic.  Und das bringt uns gleich auf ein kleines Problem hinsichtlich des Tennislernens nach Vorbildern. Ein ausgezeichneter Spieler ist nicht auch automatisch ein guter Tennislehrer, Theoretiker oder Didaktiker.
So ist in diesem Filmchen die Erläuterung der Pronation zu bemängeln, und mit dieser Meinung stehe ich nicht alleine, siehe z.B. hier…  im Saitenforum.

Ebenso interessant ist in diesem Zusammenhang die Diskrepanz bezüglich des gezeigten Rückhand-Slice, die wir ganz anders in unserem Beitrag wiper-slice-Rückhand  gerade am Beispiel Djokovic entdeckt bzw.  gezeigt haben. Diesen Effekt, dass Trainer und selbst Spitzenspieler Richtigkeitsvorstellungen bzw. Bewegungsnormen weitertragen, die mit dem eigenen Bewegungsablauf nicht übereinstimmen, kann man vielfach beobachten. Sowie ein Spieler in den „Demonstrationsmodus“ kommt, zeigt er das, was er von seinem Trainer gezeigt kam. Und das liegt dann zwei Tennisgenerationen zurück.
Aber auch die im Match gezeigten Bewegungsmuster der Spitzenspieler müssen nicht immer der Weisheit letzter Schluss sein. Auf diese Problematik weist Vic Braden in einem sehr kritischen Aufsatz hin, den ich aus dem Webarchiv ausbuddeln konnte, „Myth: toss the ball high…“ Interessant ist dabei sein Statement, dass auch das Lernen nach best practice keine Garantie für das wirklich beste Bewegungsmodell ist, weil eben auch die Spitzenleute nicht so einfach ein einmal gelerntes Muster aufgeben : „To be sure, the majority of the players use the high toss because that’s the way they’ve been taught“.
Genau deshalb empfehlen wir als Vorbilder besonders den Spitzennachwuchs in Betracht zu ziehen, weil deren Erwerbsphase des motorischen Grundgerüstes einfach weniger weit zurück liegt (siehe unseren Beitrag Tennistalente in der Entwicklung)

Aber für die erste Einstimmung als Anfänger, ist der Clip trotzdem geeignet.. Weitere Vorbilder finden sich weiter unten bzw. sind in diesem Portal den Beiträgen zu den entsprechenden Strokes beigefügt.


Jeder Spieler kann sich verbessern, indem er Bewegungsmuster der Spitzenspieler live oder als Videos betrachtet und damit sein motorisches Lernen unterstützt. (siehe  „Die Bedeutung von Vorbildern und Idolen für das motorische Lernen“ und, relativierend, den Beitrag „Spitzenspieler und Freizeittennis, zwei Welten?“ )

USTA-Portal

Unter diesem Link … (Abildung nebenstehend: Bild 61-73, Vera Zwonareva) finden sich kostenfrei eine Unmenge von Schlagausführungen der Spitzenspielerinnen und – Spieler (nach Wahl vom Service bis zum Volley) . Es ist zu empfehlen, sich diese Phase für Phase zu betrachten.
Bereits dadurch wird motorisches Lernen angeregt, ohne einen einzigen Schlag auszuführen!!!

Aber Achtung: viele junge Spieler sind nicht dabei (z.B. Milos Raonic, siehe die Watch-List in unserem Beitrag Zeigen uns die Jungstars neue Strokes?). Und die gezeigten Schläge stimmen nicht immer überein, die wir heute im Netz gefunden haben.
Sei es, weil diese Clips nach herrschenden Normen der Trainingslehre ausgewählt wurden, oder weil die Spieler inzwischen so nicht mehr spielen. Vergleiche die Slice Rückhand von Djokovic, hier, mit der in unserem Beitrag „Die wiper-slice-Rückhand“ gezeigten.

 

 

Hinweise
Bei der Auswahl der Favoriten sind sind drei Gesichtspunkte zu beachten:

  • die neuesten Trends kommen im allgemeinen zuerst bei den jungen Damen an das Licht der Öffentlichkeit.
  • Je nach körperlicher Konstitution sollte man sich an Spielerinnen und Spielern orientieren, die einem diesbezüglich selbst am ähnlichsten sind. Also, wer nicht so athletisch ist, sollte nicht Del Potro oder Federer beide von den Schlagstilen etwas konservativere Spieler, oder Nadal, das Muskelpaket, zum Vorbild nehmen.
  • Ein Vergleich mit eigenen Videos, die man sich von Freunden oder vom Trainer machen lässt, hilft nicht nur bei der Weiterentwicklung, sondern ermöglicht später die Dokumentation des Trainingserfolges.

Sich selbst filmen
Wenn man eigene längere Schlagfolgen hat filmen lassen, sollte man bei der anschließenden Betrachtung häufige Abweichungen vom „Idealbild“ gelassen registrieren.
Also bitte nicht traurig sein! Ich besitze Zusammenschnitte von Vorhänden, beispielsweise Djokovics, in denen u.a. Rücklage und andere Ausweichs- und Reaktionsmuster häufiger vorkommen als man denkt (siehe auch hier in dem USTA-Filmportal Roger Federer, complete point). Allerdings hat dabei Djokovic, niemals untenrum ausheholt, auch nicht bei gerade so erlaufenen Stoppbällen. Andererseits gibt es ein Clip vom Schlagtraining Djokovic`s, in dem er wesentlich flacher ausholt. Das war zur Vorbereitung auf eine Hartplatzkonkurrenz.
Deshalb beweist ein einziger Filmclip kaum etwas. Man muss sich  viele Filme anschauen. Die hier Gezeigten sind lediglich Demonstationen für beschriebene Bewegungsmuster.
Schwierig ist es, mit gutgemeintem Ratschlägen von Freunden und Bekannten umzugehen. Man weiß nicht, welches Ideal denen gerade vorschwebte und ob sie die wichtigen Abweichungen davon analysieren können. Beziehen sie sich auf einen Ausfürhungsfehler, den man selbst bemerkt hat – und nicht so schnell wegbekommt- oder stellen sie wirklich einen unbemerkten wichtigen Fehler fest?

Es ist auch zu vermuten, dass die unter obigem Link gezeigten Schlagausführungen als besonders „gelungene“ Schläge selektiert, vom USTA-Portal ausgesucht wurden.
Diesen Effekt findet man besonders gerne in Tennislehrbüchern mit Einzelbildern, die irgend etwas beweisen wollen. Dabei sagt ein einzelnes Bild verhältnismäßig wenig. Ein kurze Bewegungsphase bekommt erst Sinn, im Zusammenhang mit dem zeitlichen Ablauf.

Wie sammelt man Bewegungsmuster?
Filmclips, die das MS Windows-Media-Player Symbol zeigen, können abgefischt werden und lassen sich dann mit dem VLC-Player in slow-motion betrachten. Der VLC-Player ist kostenlos. (downloaden, unzippen und starten). Wie man sich die Movies herunterfischt und den Player optimal bedient, habe ich hier ausführlich beschrieben.  Man kann die Movies auch mit der ASK-Toolbar, ein Browser Zubehör, bequem umwandeln. Immer wichtiger werden auch Lehrfilme, wie sie beispielsweise von der Justus Liebig Universität Gießen ins Netz gestellt werden, siehe hier und hier sowie zum Download. Zur Bedeutung der mobilen Verfügbarkeit von Bewegungsstudien für den Leistungssport, siehe hier: Das Web 2.0 in der Sportwissenschaft – Videopodcasting zur Darstellung von Good Practice in der Lehrerausbildung.

Filmclips unterwegs anschauen
Ich habe die wichtigen Clips auch unterwegs immer gerne dabei. Zur Aufnahme von YouTube-Clips gibt es für das iPhone (mit Jailbreak) die Cydia-App FREEdi YouTube, die die YouTube Clips automatisch in Mp4 -Files umwandelt und abspeichert. Dies ist zu empfehlen, weil YouTube-Clips nicht für die Ewigkeit im Netz stehen. Außerdem ist man dann von der Netzverbindung unabhängig.

Bewegungen analysieren mit slow-motion
Ohne Slow-Motion Player sind schnelle Bewegungen bei Aufschlag und Vorhand wegen der wichtigen Peitscheneffekte in der Regel nicht zu verfolgen. Manchmal fehlt sogar das Frame (Einzelbild) für einen strategisch wichtigen Abschnitt und man muss es aus den Einzelbildern interpolieren. Es empfiehlt sich dazu, einen entsprechenden Player einzusetzen, der Slow-Motion wirklich beherrscht. Für iPhonebesitzer gibt es SpeedUp TV.

Diesen Geheimtipp und Leckerbissen habe ich nach langem Suchen erst durch Zufall gefunden: einen iPhone Videoplayer mit Zeitlupenwiedergabe. Zufällig, weil unter „Zeitlupe“ oder „slow-motion“ weder im Appstore noch im Google zu finden. Die App heißt nämlich SpeedUp TV – muss man erst mal drauf kommen!

Siehe hierzu auch den Thread in sportlerfrage.net , in dem noch weitere Analysetools genannt sind.

Alles, was man sich als Grundfunktionen wünschen kann, wird vom SpeedUp TV Player geboten

  • Zeitlupe bis runter auf ein Bild/sec,
  • Manuelles Steppen von Einzelbild zu Einzelbild (vor und zurück),
  • Auswählen von Filmsequenzen mit Abspielwiederholschleife,
  • Setzen von Bookmarks auch für diese Schleifen,
  • Inversion von Links- auf Rechtshänder,
  • Vergrößerung wie im Safari-Browser, auch auf älteren iPhones.
  • Bookmarks; damit kann man sich jetzt also einzelne Strokes aus längeren Spielsequenzen (ein Punkt gespielt) als Bookmark markieren und in kleinster zeitlicher Auflösung sowie stark vergrößert immer wieder ablaufen lassen. (Auf diese Weise habe ich meine Erkenntnisse zum Aufschlag immer wieder weiter entwickelt.

Und nein, ich bin kein iPhone-Freak und bekomme – leider- keine Provision für diesen Hinweis.

Motorisches Lernen
Grundlegendes zum motorischen Lernen siehe z.B. die Arbeiten von  Eva Hendrich, Schöllhorn und Schönborn sowie weitere Portale. Dazu haben wir die Beiträge Umlernen und Selbstorganisation und spielerisches Lernen erarbeitet.

Schlagtechnik ist nicht Alles
Und bei Allem bitte im Auge behalten, es ist nicht Technik allein, die die Spielstärke der guten Spieler ausmacht, schon garnicht in der Weltspitze. Unsere Vorbilder, sind nicht wegen eines besonderen Schlages dort, wo sie sich positioniert haben. So wird der Ausnahmespieler Federer durch völlig andere Eigenschaften charakterisiert: Antizipation, Athletik, Behändigkeit, Timing, Kreativität; ganz besonders aber die Beinarbeit, immer tief und kraftvoll am Boden siehe das Beispiel hier…

„Why is Roger Federer called the best tennis player in history? You want to see how Federer transcend tennis before taking a single swing?

  • It is not his stroke differentiating from others
  • He has the “anticipation” of Larry Bird
  • He has the “athleticism” of Michael Jordan
  • He has the “nimble feet” of Jerry Rice
  • He has the “timing” of Wayne Gretzky
  • He has the “poetic power” of Muhammad Ali
  • Most of all, He is Mikhail Baryshnikov (ballet dancer) of tennis!

It is his footwork making THE differences: Federer experts his power from the ground up.“ Quelle siehe hier

Zur mentalen Stärke und taktischen Aspekten siehe unseren Beitrag Die Psychotricks im Tenniswettkampf

 

© Dr. Holger Hillmer

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