Tennisfragen

Tenniswissen | Tennisanalysen

Mein Kind spielt Turniere

| 2 Kommentare

Tennis ist gesund und kann auf der ganzen Welt gespielt werden. Der Sport ist gesellig, vermittelt Erfahrungen im fairen Wettkampf und stärkt das Bewusstsein, dass auch unterschiedliche Begabungsprofile und Lernwege zum Erfolg führen können; wie im täglichen Leben auch. 

Die Eltern sind der entscheidendste Faktor für die Tenniskarriere des Kindes, betont z.B. Patrick McEnroe, Chef des US-Tennisverbandes. Kommt das Kind in eine Mannschaft und spielt Turniere, können Eltern Einiges falsch machen, selbst dann, wenn es „nur“ um Freizeittennis im Club geht.

 

Bei ausreichender Spielstärke wird das Kind vom Club in Turnieren aufgestellt. Was muss man als Tennismutter oder -Vater dabei beachten?

Zuerst klären, was will mein Kind wirklich?
Nicht jedes Kind will und kann ein hervorragender Tennisspieler werden. Leider neigen gerade Eltern, bei denen das eigene Tennis einen hohen Rang einnimmt, dazu, Signale ihres Kindes (oder eines ihrer Kinder) zu übersehen, dass diese die Ambitionen ihrer Eltern vielleicht nicht teilen. Sind die Eltern gar im Vorstand eines Clubs, wird das „Ausscheren“ eines Kindes aus der Tenniswelt bisweilen als persönliche Niederlage in ihrem lokalen Tennisumfeldes empfunden.

Diese Kinder trauen sich vielleicht nicht, die Eltern deutlich und nachhaltig auf ihr „Tennisproblem“, nämlich etwas ganz Anderes machen zu wollen, hinzuweisen, da sie die Fokussierung der Eltern mitbekommen und erleben, dass die elterliche Zuwendung eng mit ihrem Tennisengagement verbunden ist.

Manchmal suchen sie verzweifelt „Bündnispartner“ in der Verwandtschaft oder in der Schule, um ihre Eltern zu erreichen.

Und die Trainer wissen, ohne eine solche von innen her kommende Begeisterung ist es nicht empfehlenswert, die gewünschten Erfolge gerade auf dem Tennisplatz zu suchen. Die Zahl der Kinder ist Legion, die mit 18 keinen Tennisschläger mehr anfassen – war das das Ziel? 

Leider gibt es keine Patentrezepte, wie man zuverlässig feststellt, ob nur gerade eine vorübergehende mentale Ermüdung vorliegt, oder eine grundsätzliche Abneigung. Die Eltern aber, die für dieses Problem offen sind, können selbst schon die richtige Antwort finden. Die eigene Kompetenz können Tenniseltern mit diesem Handout als Trainingshilfe ausbauen. Hier ein Konzept für die Übungsleiterausbildung für Kindertennis Sehr interessant, wenn auch etwas anspruchsvoll ist die Dissertation von Mattias Kromer zur psychologischen Bewegungsforschung, in der den Problemen von sprachlicher Vermittlung und Bewegungsrepräsentation nachgegangen wird.

Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Problematik einer im Spitzenbereich angesiedelten Tenniskarriere, einschließlich

    • Interviews mit Aktiven und ehemals Aktiven Spitzenspielern sowie die
    • Darstellung der Kosten, die privat beim Aufbau einer Karriere zu schultern sind und die
    • Problematik der Förderung des Tennis in den Landesverbänden und im DTV,

bietet diese sehr interessant geschriebene Dissertation von Natalie Schwägerl, Internationales Tennis als totale Institution – Eine theoretische und empirische Untersuchung im Hochleistungsbereich des Tennis

Ziele einer „Tenniskarriere“ mit allen Beteiligten abstimmen.
Siehe auch Tennistalente in der Entwicklung und Zeigen uns die Jungstars neue Strokes
Ist die Zielstellung im Einverständnis mit dem Kind gründlich geklärt, sollen die Möglichkeiten und Ansprüche von Kindern, Eltern und Club abgeglichen werden. Ganz besonders aber ist darauf zu achten, dass das sportliche Umfeld – der Club, der Sportwart, der Jugendwart und die Trainer – darauf hin geprüft werden, ob deren „Philosophie“ und deren „Politik“ mit den eigenen Vorstellungen über eine längere Wegstrecke kompatibel sind bzw. bleiben.

Eine solche Abweichung kann sich in mehrere Richtungen ergeben, hier die zwei häufigsten:

a) der Club ist derart unbedingt sportlich orientiert, dass er wenig Verständnis für Eltern und Kinder aufbringt, die nur ein wenig Sport an frischer Luft, ein wenig Wettkampf in lockerer Atmosphäre und Geselligkeit in einem gepflegtem sozialen Klima wollen

b) der Club kann dem Kind keine sportliche Perspektive für „höhere Ambitionen“ bieten.

    • Die Trainingsmöglichkeiten sind generell nicht  ausreichend. (Anzahl der für Kinder und Jugendliche verfügbaren Plätze – siehe Spielordnung, keine Halle vorhanden)
    • Mein Kind hat im Club keine oder zu wenig gleichstarke Gegner
    • Die Trainer haben veraltete Methoden,  
    • Die Trainer fordern und fördern mein Kind nicht genügend oder, überhaupt, 
    • die Chemie stimmt nicht.

Sportkarriere muss gemanaged werden
Die meisten Eltern wollen keine sportliche Einbahnstraße. Selbst wenn eine Karriere als Tennistrainer oder Berufsspieler nicht ausgeschlossen wird, sollen andere Berufsperspektiven nicht ausgeblendet werden. Das ist oft ein Balanceakt, und um ein gewisses „Multitasking kommt man nicht herum. Für das Ziel  „Weltklassespieler“ ist jedoch heute relativ früh eine Weichenstellung nicht zu vermeiden. Näheres siehe  Hat mein Kind Talent? sowie Tennisförderung und Stipendien.

Eine Übersicht, über Voraussetzungen und Belastungen für ein ernstzunehmendes Training ist hier gezeigt. Eigentlich sollte die Übersicht beim Dreijährigen beginnen, das ist das Alter, mit dem Nadal und Federer einen Tennisschläger in die Hand bekamen.

Kosten des Aufbaus einer Tenniskarriere
Natalie Schwaegerl hat sich in Ihrer Dissertaton mit dem Thema internationale Tenniskarriere sehr grundlich auseinandergesetzt. Wer ernsthaft eine solche Karriere anstrebt, bzw. dies für seine Kinder in Betracht zieht, sollte diese gut lesbare Arbeit unbedingt lesen. Dies können wir in unserem Internetportal zur Zeit nicht umfassend darstellen. Die folgenden Kostentabellen sind der Arbeit entnommen

 

Im ersten Moment erscheinen die anfallenden Kosten (Bollettieri) sehr hoch, doch zeigt ein Vergleich mit den in Deutschland für 60 Minuten Tennistraining erhobenen Preisen, dass bei annähernd gleicher Stundenzahl (ohne Berücksichtigung der im Winter für Hallenmiete anfallenden Kosten, ca. EUR 20/Stunde), ohne Zusatzleistungen wie Turnierbegleitung, medizinische Versorgung, Videoanalyse, mentales Training sowie Kost und Logis ähnlich hohe Gesamtausgaben für die Spielerinnen und Spieler bzw. deren Eltern (in Deutschland)  zu erwarten sind.“ (Schwaegerl, S. 102).

Zur Förderung durch die deutschen Tennisverbände sowie die Alternative eines Collegestudiums in USA, siehe dort bzw. unseren Beitrag Tennisförderung mit Stipendien.

Mein Kind ist Turnierspieler, was nun?
Worauf sollen Tenniseltern in den ersten Jahren achten, wie geht man mit dem Tennis der Kinder um?

Hier einige Tipps:
„…ich arbeite seit nunmehr zwei Jahren in einem Tenniscenter und muss leider immer wieder feststellen das Kinder zu etwas getrimmt werden, was sie gar nicht wollen. Klar, Tennis macht Spaß und noch viel mehr wenn viele Kinder gemeinsam trainieren und man bei Turnieren einen Pokal erspielt. Aber viele Kinder verlieren den Spaß an dieser Sportart (und auch vielem anderen) weil die Eltern oft viel ehrgeiziger sind und ihr Kind schon in Wimbledon sehen! Aber sollte ein Kind wirklich die Spitze erreichen wollen, so muss es natürlich auch gewisse Regeln beachten. Leider erlebe ich viel zu oft, das Eltern ihre Kinder einfach am Tennisplatz abgeben und das war`s dann. Sport macht Spaß, und die folgenden 10 Regeln sollen einfach ein paar kleine Tipps für Eltern von „Tenniskindern“ sein:

1. Nach einem verlorenen Match braucht ihr Kind Ihre Zuwendung am meisten. Sonst fürchtet es, neben dem Match auch Ihre Liebe zu verlieren.

2. Lassen Sie ihr Kind von Anfang an auch einmal alleine zu einem Turnier fahren. Ihr Kind wird selbständig und Sie ersparen sich einen Tag des Herumsitzens. Falls ihr Kind Sie unbedingt dabei haben möchte, haben Sie wahrscheinlich schon etwas falsch gemacht. Beginnen Sie dann damit, dass Sie während eines Spieles nicht anwesend sind, dann während eines Satzes usw. (zuerst bei einem Gegner, der klar schlechter oder besser ist.)

3. Dass Sie beim Match ihres Kindes gegen einen gleichwertigen Gegner ein wenig nervös sind, ist verständlich, zeigen Sie aber ihre Nervosität auf keinen Fall. Ihr Kind merkt das sehr schnell und wird dadurch selbst noch nervöser. (Trainieren sie sich selbst!)

4. Greifen Sie möglichst während eines Matches NICHT ein, es sei denn, Sie einigen sich mit den anderen Eltern, dass Sie gemeinsam zählen, weil die Kinder noch Anfänger sind. Bälle aufheben und Zählen von anderen Eltern kann bedrohlich auf das Kind wirken, das allein spielen muss. Weisen Sie ihr Kind darauf hin, dass es um einen Schiedsrichter bitten kann, wenn es sich wirklich laufend übervorteilt fühlt.

5. Sie gehören hoffentlich nicht zu den Eltern, die Ihr Kind nach mangelhafter Leistung oder Anstrengung bestrafen oder gar schlagen! (Dann sollten sie beim nächsten Mal Platzverbot erhalten!) Derartige Maßnahmen können vielleicht kurzfristig zum Erfolg führen, langfristig schaden Sie Ihrem Kind in jeder Beziehung!

6. Analysieren Sie gemeinsam mit ihrem Kind Niederlagen und auch Siege (nach ausreichendem Trost bzw. Lob), wenn Sie genug vom Tennis verstehen, und überlegen Sie gemeinsam, was besonders trainiert werden soll, damit die gezeigten Schwächen möglichst bald abgebaut werden.

7. Lassen Sie sich nicht von ihrem Kind herumkommandieren oder gar beschimpfen. Haben Sie den Mut, im Wiederholungsfall nach Warnung die Übungsstunden einfach abzubrechen. Falls Ihr Kind sich während eines Turniers schlecht benimmt (dazu gehören auch Schlägerwerfen und Fäkalsprache, gehen Sie einfach und gestatten Sie ihm erst dann wieder ein Turnier zu spielen, wenn es verspricht, sich angemessen zu verhalten.

8. Gute Betreuung während eines Matches ist sehr schwierig. Wenn sie kein Experte sind, beschränken Sie sich darauf, Ihrem Kind beim Wechsel das Selbstvertrauen und den Kampfeswillen zu stärken und ihm ein bisschen emotionelle Wärme zu geben.

9. Oberstes Ziel sollte sein, sich baldmöglichst beim Tennismatch Ihres Kindes überflüssig zu machen.

10. Es ist nicht so wichtig den besten Trainer für sein Kind zu engagieren, er muss vielmehr ein guter Psychologe sein. Spielerisch erlernt dann das Kind alle Grundschläge. Ohne falschen Ehrgeiz, ohne Leistungsdruck, denn nur wer von Beginn an Freude am Spiel hat, bleibt dem Sport lange erhalten!“ (aus einem Sportlerblog, leichte redaktionelle Bearbeitung, Original hier ). Siehe dazu auch  Wie lernt mein Kind am besten ,  Wettkampflernen, und Bedeutung von Idolen.
Weitere Tipps hier… (englisch) und zum Coaching der Kinder  hier… (englisch)

Vieles hört sich selbstverständlich an, aber in 30 Jahren Tennis habe ich schon Alles, im Guten, wie im Schlechten, beobachtet.

Weitere  Orientierungshilfen
Wir empfehle den Eltern  folgende Orientierungshilfen

  • Eltern können beim Aufbau und der Begleitung einer Tenniskarriere in verschieden „Fallen“ tappen. Ein ausführlicherer Beitrag einer Mentaltrainerin, selbst aus dem Spitzensport kommend, gibt hierzu wertvolle Hinweise. hier…
  • Wer sich etwas gründlicher mit den Aufgaben der Tenniseltern im Dreieck Eltern, Trainer, Kind befassen möchte, dem sei die Lektüre dieser Zusammenstellung dringend ans Herz gelegt (Ratgeber für Tenniseltern)
  • Siehe auch die Tips hier… (englisch).
  • Und hier einige Erfahrungsberichte und Tipps eines Fragenforums.

 

© Dr. Holger Hillmer

2 Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr Dr. Hillmer,

    Vielen Dank für Ihre informative website! Unsere Tochter (11) spielt seit 2 Jahren Tennis. Die Informationen auf Ihrer Seite geben einen sehr guten Einblick in das Umfeld einer „Sportlerkarriere“, insbesondere wenn man sich mit dieser Thematik noch nie beschäftigt hat, bzw. (mangels eigenem Talent) beschäftigen musste. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag!

    Mit besten Grüßen, Joachim Kronawetter

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.