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Die einhändige Topspin-Rückhand

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Die einhändige Topspin-Rückhand ist der Klassiker der modernen Schlagtechnik. Hier gibt es aber Variationsmöglichkeiten, die in Lehrbüchern üblicherweise nicht berücksichtigt werden. Ich meine besonders die Ausführung aus offener Beinstellung (s. linke Bildhälfte), die ähnlich, wie die Beidhändige gespielt wird. Neuerdings wird diese Ausführungsform auch in US-Webportalen behandelt, die neueste Fundstelle/Clip, siehe hier….

Eigentlich funktioniert sie biomechanisch gesehen, wie die Vorhand auch.
Außerdem gehe ich auf Gefühlserfahrungen der Topspin- im Vergleich zur Slice-Rückhand ein, die bei meinem Trainingspartner erfolgreich war. Die Devise „Nase-Daumen“ war somit erfunden, s.u.

Schließlich wird auch die weit nach oben ausgeführte Ausholschleife Nicolas Amagros gezeigt, der in Roland Garros 2012 damit eine ähnlich gute Waffe einsetzen konnte, wie sein Gegner Nadal mit der Beidhändigen.

Obwohl ich diesen Schlag selbst auch gerne aus offener Stellung heraus spiele, habe ich mich bisher gescheut, dies in einem eigenen Beitrag darzustellen, aus Respekt vor Roger Federer, von dem man in Videos durchgängig die Rückhand aus extrem geschlossener Beinstellung kennt: das rechte Bein steht weit in Richtung linke Ecke vor dem rechten Bein. Der Körper baut die Aufwärtsbewegung des Schlagarms gleichsam statisch auf dem rechten Bein auf. Das sieht schon sehr kraftraubend aus.

Das folgende Lehrvideo aus YouTube ermutigt mich nun, den Einsatz auch aus offener Stellung herauszustellen. Wobei dort diese Ausführungsform dem Aufschlagreturn vorbehalten sein soll. Allerdings wird auch als Grundlinienschlag die Topspin-Rückhand oft in dieser Weise gespielt.

Wer genauer hinsieht, wird feststellen, dass auch die erwähnte Scherenbewegung der Beine nicht in allen gezeigten Beispielen zu sehen ist.

Minimale Opposite-Arm-Action bei der einhändigen Topspin-Rückhand
Bemerkenswert ist, dass die Gegenarmbewegung (opposite-arm-action) des linken Arms bei Federer in der Zuschlagphase recht wenig ausgeprägt ist. Viele SpielerInnen der einhändigen Topspin-Rückhand (z.B. Amelie Mauresmo) drücken den Gegenarm sogar überhaupt nicht weg. Der Grund dürfte sein, dass das Wegdrücken des Gegenarmes mit der gewünschten Aufwärtsbewegung der rechten Schulter in Konflikt steht.

Zeichnerisch kann man sich das sehr einfach darstellen, wenn man den linken Arm in einer Ausgangsposition in sehr spitzem Winkel, also fast parallel zur Schulterachse stellt und dann die Kraft und Gegenkraft zum Wegdrücken des linken Armes wirken lässt: sie wirkt auf die linke Schulter in Aufwärts- statt, wie gewünscht in Abwärtsrichtung, ist also dem Aufrichten der rechten Schulter in die Trophy-Position entgegengesetzt.

Beim Slice sind hingegen die Verhältnisse anders. Da unterstützt das Wegdrücken des linken Armes die Vorwärtskomponente des Schlages und bringt eine bessere Länge der Schläge.

Amelie Mauresmo

Gustavo Kuerten

 

Modernste Form der einhändigen Rückhand: Nicolas Almagro
In Roland Garros 2012 konnte es Jeder sehen. Die Rückhand Almagros war der Beidhändigen von Nadal ebenbürtig.


Das Bewegungsbild dieser Rückhand unterscheidet sich deutlich von den bekannten klassischen  Topspin-Rückhänden: Der Schlagarm führt eine wesentlich weiter nach oben geführte Schleife aus. Die Schlägerfläche scheint fast wie ein Dach über dem Kopf, bzw. leicht hinter dem Kopf zu schweben.
Ich habe dies in den letzten Tagen selbst ausprobiert und muss sagen, dass man eine erhebliche Verbesserung von Schlaghärte und Topspin zu verspüren meint.
Voraussetzung ist natürlich der entsprechend ausgeprägte Rückhandgriff. Dieser ist mit ein Grund dafür, dass die Schlägerfläche über Kopfhöhe so auffällig fast parallel zum Himmel/Boden weist. Die Schlaghand ist dabei in Höhe von Mund und Kinn des Spielers. Eine ähnlich hohe Ausholbewegung kennen wir übrigens schon von Gustavo Kuerten, siehe YouTube-Clip oben.

 

Nicolas Almagro Roland Garros 2012

 

Beschreibung des Gefühls bei der Topspin-Rückhand im Gegensatz zur Slice-Rückhand
Im Frühjahr war meine seit vielen Jahren bewährte Topspin-Rückhand „weg“. Sie kam irgendwie flau, ohne Länge und viel zu hoch angesetzt. Versuche, den Schläger etwas zu in der Längstachse zu drehen waren unbefriedigend. Bis ich mich daran erinnerte, dass ich die Rückhand gefühlsmäßig eigentlich mit dem Daumengelenk schlage. Das Daumengelenk bzw. der Daumen drückt gegen die Schmalseite des Schlägergriffes und zwingt den Schläger aus der Schleife in die Aufwärtsbewegung.
Nachdem ich dieses Gefühl auch meinem Trainingspartner vermittelt habe, der zwar eine Topspin-Rückhand „vortäuscht“, aber in Wahrheit eine offene Schlägerstellung zum Slice spielt, klappte es auf Anhieb auch bei ihm mit der modernen einhändigen Topspin-Rückhand. Natürlich erst mal nur an der Trainingswand. Die Umsetzung in die Matchpraxis dürfte einiges dauern. Aber es zeigt, dass der Tipp mit dem Daumen auch bei anderen erfolgreich sein kann.

Da mein Trainingspartner – im Gegensatz zur Vorhand – die Rückhandschleife nicht aus einer hohen Position des Schlägerkopfes startet, lauten die Merkpunkte daher „Nase“ (Ausgangsposition des Schlägers vor der Nase)  – „Daumen“ (Lage des Griffes am Daumengelenk, Druckausübung und aktives Gefühl). Hört sich witzig an, funktioniert aber.

Mein Frühjahrsproblem resultierte übrigens aus dem Training der Slice-Rückhand, bei der das „aktive gefühlte Körperteil“ die Handfläche der Schlaghand ist, was auf die Topspin-Rückhand eben nicht übertragbar ist.

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