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Aufschlaganalyse Jungen

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Die Videoanalyse im Tennistraining wird immer wieder gefordert und ist im Spitzenbereich längst Usus.

Im Talentaufbau jedoch und besonders im Freizeitbereich ist eine Videoanalyse recht aufwändig. Hardware, Software und nicht zuletzt die erforderliche qualifizierte Manpower setzen dem breiten Einsatz der Videoanalyse enge Grenzen, so dass sie sehr selten praktiziert wird. Hier werden exemplarisch vier Aufschläge von Kindern durch ein Analysesystem beurteilt und zur Diskussion gestellt.

Die Echtzeitanalyse des Trainers ist leider fehleranfällig ( siehe Strategien zur Beurteilung von Aufschlagbewegungen, hier… bzw. Bild unten; Details der Aufschlagbewegung u.a. hier….). Dazu kommt, dass die Erläuterungen am eigenen Video für den Tennisschüler wesentlich verständlicher sind.

Worauf achten Trainer und Spieler unterschiedlicher Seherfahrung bei der Beurteilung eines Aufschlags am meisten? Quelle

In Zusammenarbeit mit einer renommierten Tennisschule bieten wir daher jetzt eine systematische Videoanalyse an.

Es wird eine Lösung vorgeschlagen bzw. vorgeführt, die mit vertretbaren Kosten umzusetzen ist: Smartphones mit Slow-Motion-Kamera und Android Auswertefunktionen (APPs) setzen die File-Umfänge und Bearbeitungszeiten auf ein erträgliches Maß herunter, ohne dabei die Beurteilungmöglichkeiten der Bewegungsbahnen einzuschränken.

Aufschlagsbeurteilung: Maßstäbe und Vorbilder
Bei der Beurteilung der Bewegungsbahnen werden sowohl die klassischen, als auch die modernen Aufschlagsformen berücksichtigt. Näheres ist in www.tennisfragen.de ausführlich dokumentiert. Federer und Sampras sowie Roddick, Groth, Raonic und Dodig stehen für diese beiden Schwerpunkte, siehe die verlinkten Beiträge Spitzenaufschlag, Aufschlagrekord , in denen diese Spitzenaufschläger „erklärt“ werden.

Bei Sarah und Mischa, 8 und 11 Jahre alt, sind diese Entwicklungen des modernen Aufschlags sehr gut repräsentiert.
Sarah

Einziges kleines Detail, das evtl. zu bemängeln wäre ist die Arbeit des dem Schlagarm entgegengesetzten Armes, die Opposite Arm Action, siehe im Vergleich zu Sam Groth, der den Arm wie 99% aller Profis an den Bauch heranzieht. Wer im Clip genau hinschaut, wird auch sehen, dass das „In die Knie gehen“ bei Sarah in zwei Phasen vonstatten geht. Im Gegensatz zu Groth, bei dem dies eine einzige konsequente Bewegungseinheit darstellt.

Mischa,
wird von einem Freund dieser Website gesponsert und hat bereits beachtliche Erfoge vorzuweisen, siehe Untertitel im YouTube-Clip selbst. Die Pronation könnte noch etwas ausgeprägter sein, aber ansonsten kann dieser Aufschlag ebenfalls als moderner Maßstab für die Aufschlagsbeurteilung der Jungen und Mädchen herangezogen werden.

Ein solches Modell kann nicht für die vielen individuellen Abweichungen stehen, die ebenfalls einen guten Aufschlag ermöglichen. Besonders im Freizeittennis sieht man viele effektive Aufschlagformen, die weit von unserem Modell Sarah abweichen, siehe auch weiter unten.

Hierzu haben wir ebenfalls Filmmaterial erstellt und gesichtet, und werden dies unter Bezug auf verschiedene Bewegungsbahnen in den Wurfdisziplinen in einem gesonderten Beitrag aufbereiten.

Wir gehen aber davon aus, dass die Service-Rekordhalter in ihren Bewegungsbahnen nach derzeitiger Erkenntnis keine Elemente praktizieren, die einem guten und effektiven Aufschlag entgegenstehen (Best Pracice). Wir haben dieses Modell aber auch gewählt, weil es biomechanische Überlegungen, (Range, Loading, Impulsübertragung, Peitsche) am besten mit evtl. auftretenden Konflikten zu erbmotischen Effekten (Werfen/in die Knie gehen,  Fangen/Schlagen) versöhnt.

Lernwege
Die Beurteilung der hier aufgenommenen Aufschläge berücksichtigt nicht den zurückliegenden Lernweg. Insofern ist über die Begabung der Schüler keine Aussage zu machen. Der gefundene Stand resultiert aus Bewegungsintelligenz, Qualität und Quantität des Trainerinputs und eigener Übungsintensität.

Es sind in der betrachteten Altersgruppe durchaus „professionelle“ Aufschläge nachweisbar, wenn Begabung und Lernsituation dies ermöglichten, siehe Sarah und Mischa.

Nicht jedes Kind ist jedoch willens und in der Lage, sich sehr früh mit gewissen Anforderungen (z.B. Slice-Griff) auseinanderzusetzten. Ein späteres erforderliches Umlernen kann aber evtl. Nachteile mit sich bringen. Es ist im Einzelfall kaum vorherzusagen, ob es besser ist, möglichst früh hohe technische Anforderungen zu stellen, oder diese erst später nachzuholen

Details, individuelle Freiheitsgrade
Hauptkriterien sind biomechanische Zusammenhänge, wie Range (Beschleunigungsstrecke), Impulsübertragung (vor allem Rumpf zur Schulter), Peitscheneffekte, Pronationseinsatz. Aber auch technische Details, wie Griffhaltung, Fußstellung, Ballwurf werden beurteilt. Hier mag es individuelle Abweichungen geben. Unsere Orientierung an einem Bewegungsbild ähnlich Sarah, s.o., schränkt daher im Einzelfall die Fülle der Bewegungsbahnen ein.  Das gilt auch für viele andere im Freizeitbereich praktizierten Aufschlagmuster, die bisweilen erstaunlich effektiv sind. Diese (proprietären) „Vorbilder“  können nur in Ausnahmefällen herangezogen werden. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass ein solches Muster dereinst zu einem Aufschlagrekord führt. Dann werden wir dies einbeziehen. Bei den Ausholbewegungen über die Schulter (Roddick, Groth) ist dies bereits geschehen.

Erfolgskontrolle
Wesentlicher Aspekt der Videoanalyse ist die regelmäßige Erfolgskontrolle. In Abständen von einem halben Jahr sollte die Analyse wiederholt werden, um den Fortschritt zu prüfen.

Kommunikation
Der hier dargestellte Beitrag soll durch die Erläuterungen des Trainers vor Ort ergänzt werden.

Analyse

Folgende Punkte werden beachtet

Slice-Griffhaltung (ermöglicht seitliche Ausgangs- und Treffstellung, unterstützt Pronation)

vorderer Fuß parallel zur Grundlinie (ermöglicht Einsatz der Körperrotation

hinterer Fuß (großer Schrittabstand, Heranziehen; kleiner Schrittabstand, stehen bleiben). Der vordere Fuß soll sich nicht bewegen, er kann, siehe Groth, über die Fußspitze im Uhrzeigersinn etwas drehen.

Abstoßen für die Körperstreckung beidbeinig/nur mit vorderem Bein.

Beckenbewegung (nur senkrecht wie Fahrstuhl oder nach vorne bewegt und gekippt)

Kniebeugung Timing (gleichzeitig mit dem Hochwurf, später, oder garnicht)

Ausrichtung des Wurfarms (parallel zur Grundlinie, senkrecht zur Grundlinie)

Typ der Ausholbewegung (eher Groth, Roddick – über die Schulter, eher Federer, Raonic – hinter der Schulter)

Tiefe der Ausholschleife – Range (bis zu den Brustwirbeln, bis zur Taille, bis zum Gesäß, bis zum Hosenrand – bei Kindern gelten andere Maßstäbe, siehe Beispiel Sarah)

Schulterkippe (Trophy-Position, Power Line: ausgeprägt, kaum ausgeprägt, nicht vorhanden, zu früh aufgegebern)

Timing der Gegenbewegung Schulter nach oben bzw. Schleife nach unten (Schulter folgt zu früh dem hochgeworfenen Ball, Schulter schiebt das Arm/Schläger-System, Schulter peitscht das Arm/Schläger-System)

Treffpunkt (zu weit nach links, zu weit nach rechts, zu niedrig)

Kraftvolle Unterarmpronation ist nach rechts außen gerichtet: erkennbar, nicht erkennbar; erst anschließend kann der Schläger über die linke Seite auspendeln, muss aber nicht.

Gegenarmbewegung: im Allgemeinen wird der Gegenarm (Wurfarm) mit dem Schlag in Bauchhöhe angewinkelt/angelegt.

Bild nach dem Schlag: Beine heben sich vom Boden ab, linker Fuß (bei Rechtshänder) vorne, rechter Fuß eher nach hinten, resultierend aus der Rotation des Körpers), Schulterachse ist geneigt d.h. die Schulter des Schlagarms nach oben gerichtet.

Trainer, Vorführung

Bei der individuellen Beurteilung ist zu berücksichtigen, dass es auch im Spitzenbereich sowie in hohen Turnierbereichen, LK 8 und besser, gute Aufschläger gibt, die nicht alle obengenannten Kriterien erfüllen. Dies steht nicht in Widerspruch zu den Kriterien selbst, weil jeder gute Aufschlag noch verbessert und/oder „modernisiert“ werden kann.
Außerdem gibt es noch Kriterien, wie Variabilität, (Un-) Lesbarkeit des Aufschlags, Ziel- und Wiederholgenauigkeit, die mit abweichenden Aufschlagmustern vom einzelnen Spieler evtl. besser erfüllt werden können.

Dennoch haben wir eine Entwicklung des Service aufgezeichnet, die den jungen Menschen mit gewissen Ambitionen eine optimale Orientierung erlaubt.

Ein Trainer

Eine gute Turnierspielerin vs. Roger Federer

 

Vier Jungens arbeiten an ihrem Aufschlag

Alle Vier habe bereits sehr gute Aufschlagbewegungen. Es sind nur Details, die man zur Verbesserung vorschlagen kann. Alle habe das Zeug, Spitzenaufschläge zu produzieren, wenn gleichzeitig auch die körperlichen Voraussetzungen erreicht sind.

Vorstellung Jungen

 

Beispiel 1

Türkis von links

 

Türkis von rechts

Türkis von vorne

 

Slice-Griffhaltung (ermöglicht seitliche Ausgangs- und Treffstellung, unterstützt Pronation)
= Im Treffpunkt eher Vorhandgriff

vorderer Fuß parallel zur Grundlinie (ermöglicht Einsatz der Körperrotation
= Fußstellung nicht parallel, Körperstellung rechtwinklig zur Grundlinie. Könnte etwas ausgeprägter sein.

hinterer Fuß (großer Schrittabstand, Heranziehen; kleiner Schrittabstand, stehen bleiben). Der vordere Fuß soll sich nicht bewegen, er kann, siehe Groth, über die Fußspitze im Uhrzeigersinn etwas drehen.
=größerer Schrittabstand, kein Heranziehen des hinteren Fußes. Hinterer Fuß wird (auch durch Ballwurf weit nach vorne) zu früh entlastet, so dass das rechte Bein nicht mehr vom Boden aus mitarbeiten kann.

Abstoßen für die Körperstreckung beidbeinig/nur mit vorderem Bein.
= nur mit vorderem Bein, s.o.

Beckenbewegung (nur senkrecht wie Fahrstuhl oder nach vorne bewegt und gekippt)
= Becken im Ansatz gekippt, aber schwierige Abstoßbewegung und Körperkontrolle wegen „Einbeinigkeit“ und Rückenlage.

Kniebeugung Timing (gleichzeitig mit dem Hochwurf, später, oder garnicht)
=Timing O.K. aber nur mäßig ausgeprägte Kniebeuge (das eine Bein muss doppelt soviel leisten)

Ausrichtung des Wurfarms (parallel zur Grundlinie, senkrecht zur Grundlinie)
= Ausrichtung nicht parallel zur Grundlinie, daher Ballwurf zu weit nach Vorne, und allerdings auch zu weit nach links.

Typ der Ausholbewegung (eher Groth, Roddick – über die Schulter, eher Federer, Raonic – hinter der Schulter)
= sehr guter Rückschwung Typ Raonic.

Tiefe der Ausholschleife – Range (bis zu den Brustwirbeln, bis zur Taille, bis zum Gesäß, bis zum Hosenrand – bei Kindern gelten andere Maßstäbe, siehe Beispiel Sarah)
= sehr gut, reicht bis in die Kniekehlen.

Schulterkippe (Trophy-Position, Power Line: ausgeprägt, kaum ausgeprägt, nicht vorhanden, zu früh aufgegebern)
= sehr gut ausgeprägt

Timing der Gegenbewegung Schulter nach oben bzw. Schleife nach unten (Schulter folgt zu früh dem hochgeworfenen Ball, Schulter schiebt das Arm/Schläger-System, Schulter peitscht das Arm/Schläger-System)
= sehr gut, angemessen für Aufschlagstärke

Treffpunkt (zu weit nach links, zu weit nach rechts, zu niedrig)
=weit vorne, durch Vorhandgriff bedingt. Der Ballwurf nach links wurde durch komplizierte und nicht ökonomische Rumpfbewegung vorher ausgeglichen. Aber die Treffhöhe ist dadurch sehr niedrig, siehe obere Bildhäfte, bzw. Movie von links.

Kraftvolle Unterarmpronation ist nach rechts außen gerichtet: erkennbar, nicht erkennbar; erst anschließend kann der Schläger über die linke Seite auspendeln, muss aber nicht.
= Wegen Vorhandgriff praktisch keine Pronation. Handgelenk wird stattdessen abgeklappt.

Gegenarmbewegung: im Allgemeinen wird der Gegenarm (Wurfarm) mit dem Schlag in Bauchhöhe angewinkelt/angelegt.
= sehr gut

Bild nach dem Schlag: Beine heben sich vom Boden ab, linker Fuß (bei Rechtshänder) vorne, rechter Fuß eher nach hinten, resultierend aus der Rotation des Körpers), Schulterachse ist geneigt d.h. die Schulter des Schlagarms nach oben gerichtet.
= trotz einiger Komplikationen im Ablauf sehr gute Endstellung. Linkes Bein hebt vom Bodenab, rechtes Bein ruderte schon sehr früh vorher in der Luft.

Fazit
Sehr gute Anlagen. Wir empfehlen, sofort auf Slicegriff umzustellen und dabei noch etwas seitlichere Ausgangsstellung einzunehmen.
Vor allem den Ballwurf (Arm parallel zur Grundlinie) weiter nach rechts, nicht so weit nach vorne orientieren.
Das erfordert eine Zeit der Umgewöhnung, weil der bisherige Ballwurf vom Spieler ja als richtig empfunden wird.
Die Umstellung sollte vom Trainer intensiv überwacht werden. Damit kann der Junge im Sommer einen Spitzenaufschlag produzieren!

Beispiel 2

Hellblaublond von link

 

Hellblaublond von rechts

Hellblaublond von vorne

 

Slice-Griffhaltung (ermöglicht seitliche Ausgangs- und Treffstellung, unterstützt Pronation)
= O.K.

vorderer Fuß parallel zur Grundlinie (ermöglicht Einsatz der Körperrotation)
=  zunächst O.K. Bei Beginn der Ausholbewegung und des Ballwurfes wird aber das hintere Bein nach rechts bewegt und die Richtung des linken Fußes gegen den Uhrzeigersinn gedreht.

hinterer Fuß (großer Schrittabstand, Heranziehen; kleiner Schrittabstand, stehen bleiben). Der vordere Fuß soll sich nicht bewegen, er kann, siehe Groth, über die Fußspitze im Uhrzeigersinn etwas drehen.
= großer Schrittabstand. Beinbewegung s.o.. Hier wäre ein besser kontrolliertes Heransetzen des hinteren Fußes an den vorderen Fuß sicherlich hilfreich.

Abstoßen für die Körperstreckung beidbeinig/nur mit vorderem Bein.
= gutes Abstoßen des Körpers mit beiden Beinen. Der Körper ist allerdings nicht voll gestreckt und der Ausschwung schwer zu interpretieren. Der eigentliche Pronationsausschwung wird sehr heftig abgebremst, vermutlich um trotz fehlenden Eindrehens der rechten Schulter doch noch mit dem Schläger zum rechten Knie zu kommen (übliche Traineranweisung).

Beckenbewegung (nur senkrecht wie Fahrstuhl oder nach vorne bewegt und gekippt)
= gute Beckenwinkel

Kniebeugung Timing (gleichzeitig mit dem Hochwurf, später, oder garnicht)
= sehr gut

Ausrichtung des Wurfarms (parallel zur Grundlinie, senkrecht zur Grundlinie)
= sehr gut

Typ der Ausholbewegung (eher Groth, Roddick – über die Schulter, eher Federer, Raonic – hinter der Schulter)
= Typ Raonic

Tiefe der Ausholschleife – Range (bis zu den Brustwirbeln, bis zur Taille, bis zum Gesäß, bis zum Hosenrand – bei Kindern gelten andere Maßstäbe, siehe Beispiel Sarah)
= sehr gut, bis zu den Kniekehlen

Schulterkippe (Trophy-Position, Power Line: ausgeprägt, kaum ausgeprägt, nicht vorhanden, zu früh aufgegebern)
= sehr gut

Timing der Gegenbewegung Schulter nach oben bzw. Schleife nach unten (Schulter folgt zu früh dem hochgeworfenen Ball, Schulter schiebt das Arm/Schläger-System, Schulter peitscht das Arm/Schläger-System)
= sehr gut

Treffpunkt (zu weit nach links, zu weit nach rechts, zu niedrig)
=  etwas niedrig, wegen unvollständiger Körperstreckung, vgl. Mischa, obere Bildhälfte und „Hellblaublond“.

Kraftvolle Unterarmpronation ist nach rechts außen gerichtet: erkennbar, nicht erkennbar; erst anschließend kann der Schläger über die linke Seite auspendeln, muss aber nicht.
= ist vorhanden, wird aber etwa gedämpft durch Bestreben, zum linken Knie auszuschwingen.

Gegenarmbewegung: im Allgemeinen wird der Gegenarm (Wurfarm) mit dem Schlag in Bauchhöhe angewinkelt/angelegt.
= Ordentlich

Bild nach dem Schlag: Beine heben sich vom Boden ab, linker Fuß (bei Rechtshänder) vorne, rechter Fuß eher nach hinten, resultierend aus der Rotation des Körpers), Schulterachse ist geneigt d.h. die Schulter des Schlagarms nach oben gerichtet.
= Sehr über das linke Bein abgekippt, Schulter kommt wegen geringer Rotationsbewegung des Körpers nicht weit genug in den Platz rein.

Fazit
Insgesamt guter Aufschlag. Lediglich die Ausgangsposition sollte seitlicher und mit kontrolliertem Heransetzen des hinteren Beines erfolgen. Daraus würde eine stärkere Rotation des Körpers resultieren und die Pronation müsste nicht abgebrochen werden, um wunschgemäß (Trainer)  mit dem Schläger zum Schluss am linken Knie auszukommen. Es gibt übrigens auch Aufschläger, die dieser Zielsetzung nicht folgen. Selbst der alte Boris Becker beließ bisweilen seinen Schläger an der rechten Körperhälfte, um sogleich zum Serve and Volley weiterzulaufen.
Man muss dann schauen, ob sich auch das Problem mit dem nicht voll gestreckten Körper beim Ballschlag mit erledigt hat.
Spitzenaufschlag zum Sommer möglich.

Beispiel 3

Blaugründunkel von links

Blaugründunkel von rechts

Blaugründunkel von vorne

Slice-Griffhaltung (ermöglicht seitliche Ausgangs- und Treffstellung, unterstützt Pronation)
= Eher Vorhandgriff

vorderer Fuß parallel zur Grundlinie (ermöglicht Einsatz der Körperrotation)
= könnte noch etwas paralleler ausgerichtet sein.

hinterer Fuß (großer Schrittabstand, Heranziehen; kleiner Schrittabstand, stehen bleiben). Der vordere Fuß soll sich nicht bewegen, er kann, siehe Groth, über die Fußspitze im Uhrzeigersinn etwas drehen.
= kleiner Ausgangsschrittabstand, danach doch noch unsicheres Herumtrippeln. Eindeutige Beinarbeit Raonic oder Groth wäre sicher eine Erleichterung. Der Vordere Fuß ist minimal gelupft, auch dies ein Hinweis, dass man eine Verbesserung mit klarer Anweisung erreichen könnte.

Abstoßen für die Körperstreckung beidbeinig/nur mit vorderem Bein.
= sehr gut, Druck geht sichtbar von hinterem Fuß aus und wird dann mit vorderem Bein unterstützt.

Beckenbewegung (nur senkrecht wie Fahrstuhl oder nach vorne bewegt und gekippt)
= Becken nur geringfügig gekippt, weil Abstoßbewegung weniger aus gebeugtem Knie, sondern aus dem Fußballen heraus geschieht.

Kniebeugung Timing (gleichzeitig mit dem Hochwurf, später, oder garnicht)
= O.K.

Ausrichtung des Wurfarms (parallel zur Grundlinie, senkrecht zur Grundlinie)
= Wurfarm nicht parallel zur Grundlinie. Daher Wurf weit nach vorne. Wegen des Vorhandgriffs passt der weit vorne liegende Treffpunkt aber einigermaßen.

Typ der Ausholbewegung (eher Groth, Roddick – über die Schulter, eher Federer, Raonic – hinter der Schulter)
= Typ Groth, Roddick, über die Schulter.

Tiefe der Ausholschleife – Range (bis zu den Brustwirbeln, bis zur Taille, bis zum Gesäß, bis zum Hosenrand – bei Kindern gelten andere Maßstäbe, siehe Beispiel Sarah)
= Ausholschleife könnte erheblich tiefer sein. Reicht nur bis zur Taille. Dies liegt daran, dass der rechte Oberarm in der weit nach oben gerichteten Stellung verbleibt. Wenn man den rechten Oberarm synchron mit dem Ballwurf (bzw. dem linken Oberarm) mit nach oben trägt, muss er anschließend aber wieder mehr an den Körper „angelegt“ werden, damit man mit dem Schläger weiter nach unten reicht (Range). Außerdem könnte das Ellbogengelenk stärker gebeugt werden.

Schulterkippe (Trophy-Position, Power Line: ausgeprägt, kaum ausgeprägt, nicht vorhanden, zu früh aufgegebern).
= Wegen des aufgerichteten Oberarms schlecht zu sehen, aber wohl vorhanden.

Timing der Gegenbewegung Schulter nach oben bzw. Schleife nach unten (Schulter folgt zu früh dem hochgeworfenen Ball, Schulter schiebt das Arm/Schläger-System, Schulter peitscht das Arm/Schläger-System)
= etwas zu frühe Streckung. Die Streckung geht auch nicht in das „verrigelte“ Ober-/Unterarmsystem, weil das Ellenbogengelenk nicht weit genug gebeugt wird. Dadurch arbeitet die Körperstreckung gegen die Oberarmmuskulatur – daher ungünstige Impulsübertragung.

Treffpunkt (zu weit nach links, zu weit nach rechts, zu niedrig)
= entsprechend dem Vorhandgriff weit vorne

Kraftvolle Unterarmpronation ist nach rechts außen gerichtet: erkennbar, nicht erkennbar; erst anschließend kann der Schläger über die linke Seite auspendeln, muss aber nicht.
= wegen Vorhandgriffs keine Unterarmpronation

Bild: Ausschwung blaugründunkel (untere Bildhälfte und Mischa

Gegenarmbewegung: im Allgemeinen wird der Gegenarm (Wurfarm) mit dem Schlag in Bauchhöhe angewinkelt/angelegt.
= Arm könnte etwas deutlicher und energischer an den Bauch angelegt werden.

Bild nach dem Schlag: Beine heben sich vom Boden ab, linker Fuß (bei Rechtshänder) vorne, rechter Fuß eher nach hinten, resultierend aus der Rotation des Körpers), Schulterachse ist geneigt d.h. die Schulter des Schlagarms nach oben gerichtet.
= zweiphasiger Sprung (rechts-links). Wegen Minisschritts geringfügiges Übertreten. Ansonsten gutes Schlussbild.

Fazit
Beinarbeit zu Beginn des Aufschlages sollte klar definiert werden, wir empfehlen Muster nach Groth. Auf Slicegriff umstellen. Darauf achten, dass der Schlägerkopf bis in die Kniekehle herunter kommt und rechts an der Körperseite ausschwingt.
Das ist vermutlich in der Wintersaison nicht zu hunder Prozent hinzubekommen. Aber es gibt auch sehr positive Aspekte dieses Aufschlags, s.o.
Beispiel 4

Blaugrünblond von links

Blaugrünblondl von rechts

Blaugrünblond von vorne

Slice-Griffhaltung (ermöglicht seitliche Ausgangs- und Treffstellung, unterstützt Pronation)
= O.K.

vorderer Fuß parallel zur Grundlinie (ermöglicht Einsatz der Körperrotation
= könnte noch etwas seitlicher sein. Schulter wird aber schön eingedreht.

hinterer Fuß (großer Schrittabstand, Heranziehen; kleiner Schrittabstand, stehen bleiben). Der vordere Fuß soll sich nicht bewegen, er kann, siehe Groth, über die Fußspitze im Uhrzeigersinn etwas drehen.
= mittlere Schrittweite, unruhige Fußbewegungen mit Mikroschritten.

Abstoßen für die Körperstreckung beidbeinig/nur mit vorderem Bein.
= grenzwertig, hinteres Bein kann oft (vgl. Movie von links und Movie von vorne) nicht viel zu Rotation und zum Sprung beisteuern, wird nur nachgezogen, wie es früher übrigens üblich war.

Beckenbewegung (nur senkrecht wie Fahrstuhl oder nach vorne bewegt und gekippt)
= Beckenkippung bei Verlagerung auf vorderen Fuß

Kniebeugung Timing (gleichzeitig mit dem Hochwurf, später, oder garnicht)
= Timing O.K. für vorderen Fuß

Ausrichtung des Wurfarms (parallel zur Grundlinie, senkrecht zur Grundlinie)
= O.K.

Typ der Ausholbewegung (eher Groth, Roddick – über die Schulter, eher Federer, Raonic – hinter der Schulter)
= Typ Roddick, Groth, über die Schulter.

Tiefe der Ausholschleife – Range (bis zu den Brustwirbeln, bis zur Taille, bis zum Gesäß, bis zum Hosenrand – bei Kindern gelten andere Maßstäbe, siehe Beispiel Sarah
= Gute Schleife, Schläger reicht bis in die Kniekehlen herunter: hier wird nämlich auch der Oberarm trotzt hochnehmens mit dem Ballwurf und der über die Schulter geführten Schlägerkopfes rechtzeitig an den Körper gelegt für große Range. Oder, in anderen Worten, der zunächst stumpfe Winkel zwischen rechtem Oberarm und rechter Körperseite wird anschließend spitz gestellt.

Schulterkippe (Trophy-Position, Power Line: ausgeprägt, kaum ausgeprägt, nicht vorhanden, zu früh aufgegebern)
= sehr gut + starke gute Verwringung der Schulter.

Timing der Gegenbewegung Schulter nach oben bzw. Schleife nach unten (Schulter folgt zu früh dem hochgeworfenen Ball, Schulter schiebt das Arm/Schläger-System, Schulter peitscht das Arm/Schläger-System)
= sehr gut

Treffpunkt (zu weit nach links, zu weit nach rechts, zu niedrig)
= sehr gut

Kraftvolle Unterarmpronation ist nach rechts außen gerichtet: erkennbar, nicht erkennbar; erst anschließend kann der Schläger über die linke Seite auspendeln, muss aber nicht.
= sehr gut bzw. perfekt

Gegenarmbewegung: im Allgemeinen wird der Gegenarm (Wurfarm) mit dem Schlag in Bauchhöhe angewinkelt/angelegt.
= sehr gut

Bild nach dem Schlag: Beine heben sich vom Boden ab, linker Fuß (bei Rechtshänder) vorne, rechter Fuß eher nach hinten, resultierend aus der Rotation des Körpers), Schulterachse ist geneigt d.h. die Schulter des Schlagarms nach oben gerichtet.
=sehr gut

 Fazit
Bis auf die etwas unruhige Beinarbeit (leichtes Übertreten durch Mikroschritt) ein perfekter moderner Aufschlag. Wir empfehlen die Umstellung auf die Beinarbeit nach Groth, weil damit die Unruhe in den Beinen behoben wird und eine noch kraftvollere Aufwärtsbewegung des Körpers zu erwarten ist. Diese Aufwärtsbewegung erhöht nicht nur additiv bzw. über Hebel die Schlägerkopfgeschwindigkeit, sondern per Impulsübertragung eine deutliche Steigerung der Aufschlagstärke.

© Dr. Holger Hillmer

 

2 Kommentare

  1. hier eine Anmerkung:
    Bild nach dem Schlag: Beine heben sich vom Boden ab, linker Fuß (bei Rechtshänder) vorne, rechter Fuß eher nach hinten, resultierend aus der Rotation des Körpers),
    Nach einer Rotation können sich die Beine verdrehen (Boris Becker) dabei kann der Aufschläger mit dem rechten Fuß aufkommen!

    • Auch ich glaube, dass die bessere Verfügbarkeit alter und das Hinzukommen neuer Analysetechniken zu einer Revolution im Tennistraining führen wird.
      Zusatzgeräte am Schläger, Schläger mit integrierten Sensoren (Babolat play&connect) einerseits und automatischen Bild- und Filmauswertesystemen werden die bisherigen Flaschenhälse mangelnder Analysekapazität überwinden helfen.
      Möglicherweise werden dabei auch biomechanische Grundkenntnisse gleich mitgeliefert.
      Bisher jedenfalls ist es immer noch ein Glücksfall, wenn ein Kundiger mit der Analyse betraut ist.

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